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SpOn-Artikel über twitternden Politiker: Das Problem mit der Moderne

By bluejax • Aug 26th, 2008 • Category: Aktueller Artikel, Medien

Spiegel-Online ist nicht gerade ein Hort der Moderne. Dafür reicht ein Blick auf die Internet-Seite. Während sich fast sämtliche Nachrichtenseiten und auch immer mehr Blogs dazu entschließen ihre Inhalte im übersichtlichen Magazin-Stil zu veröffentlichen, schwört man bei SpOn noch immer auf den längst überholten Blog-Aufbau.

Und auch was sogenannte Web2.0-Elemente anbelangt, bleibt Spiegel-Online eher der konservativen Schiene treu: Es gibt sie nämlich schlichtweg nicht. Während woanders Kommentare zu Artikeln möglich sind, werden Diskussionen bei SpOn immer noch ins abgeschlossene Forum ausgegliedert. Moderne sieht anders aus.

Früher war alles besser…?!

Und auch sonst scheint man bei Spiegel-Online nur sehr wenig von neuen Techniken des heutigen Internets zu halten. Während andere Redaktionen mit ihrem eigenen Twitter-Account einen Einblick in den Redaktions-Alltag ermöglichen oder wenigstens ihre Artikel RSS-ähnlich an die Öffentlichkeit twittern, hadert man bei Spiegel-Online auch hier mit dem Fortschritt des Netzes.

Zu diesem konservativen Erscheinungsbild passt ein Artikel, der heute bei Spiegel-Online veröffentlicht wurde. In „SPD-GENERALSEKRETÄR HEIL IN DENVER - Twittern im Obama-Rausch“ schreibt der Autor Carsten Volkery über Hubertus Heil, der aktuell vom Parteitag der Demokraten twittert.

Der Schuss, der nach hinten los geht!

Doch anstatt objektiv darüber zu berichten oder vielleicht auch anzumerken, dass durch einen solchen Twitter Politiker, die vorher unnahbar und fern erschienen, plötzlich ein Gesicht bekommen und menscheln, überzieht Volkery den twitternden Heil lediglich mit Hohn und Spott. Abwertend werden die Tweets auseinandergenommen und ins Lächerliche gezogen.

Dabei zeugen die kritisierten Twitter-Einträge sogar ganz im Gegenteil von Humor und Schlagfertigkeit, Attributen, die zuvor wohl die wenigsten mit Hubertus Heil in Verbindung gebracht hätten. Außerdem wird kein Wort über all die anderen deutschen Politiker verloren, die längst eigene Blogs oder Twitter-Accounts pflegen. Vielleicht sollte man bei Spiegel-Online ebenfalls mal über eine Verjüngungskur Gedanken machen und sich intensiv mit den Neuerungen des heutigen Internets auseinandersetzen. Ich bin mir sicher, dass die Redaktion damit nicht nur ihr verstaubtes Image aufpolieren könnte, sondern ganz nebenbei auch noch jede Menge Spaß haben würde!

„Mit seinem Twitter-Blog gibt Heil sich erneut den Spöttern preis“ schreibt Carsten Volkery. Nein, lieber SpOn-Autor, hier hat sich nur einer den Spöttern preis gegeben: Das gute, alte Spiegel-Online!

bluejax
Ilmenau, den 26. August 2008

Quellen und Links:
http://www.spiegel.de/
http://medienlese.com/2008/08/14/welt-kompakt-vor-titanic-medien-twitter-charts/
http://de.wikipedia.org/wiki/Twitter
http://twitter.com/hubertus_heil

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10 Responses »

  1. Lieber Bluejax,
    Mal ehrlich: Die von SPON wären schön blöd, wenn sie ihr Webseiten Layout auf den “übersichtlichen” Magazin-Stil umstellen würden. Schließlich hat sich das bisherige Layout bewährt, so dass sie immer noch die Nr. 1 bei den deutschen online Nachrichten sind. Oder etwa nicht? Würden sie ihr Layout umstellen, dann würden bestimmt nicht wenige abwandern…
    Denn nur weil irgendwelche Leute meinen, immer mal wieder ein neues Layout zu entwerfen, damit sie sich vom Rest abheben, heißt das noch lange nicht, dass es gut ist. Ich finde diesen Magazin-Stil wie du ihn nennst auch alles andere als übersichtlicher…
    mfG

  2. Merke, der Autor ist selbst nicht in der Lage objektiv zu schreiben. Würde er es tun, so hätte er sich auch mal über Vor- und Nachteile von twitter, einfach weil es wahrscheinlich trendig ist, muss es wohl jeder nachmachen, Gedanken gemacht. Es ist gut, dass nicht alles von allen Medien her gelobt wird. Spiegel ist immer noch dazu da, sich selber ein besseres Bild machen zu können, in dem man selbst die Artikel hinterfragt.

    Sieht man mal ins Forum, fällt einen ins Auge, dass dort sehr ausführlich und lange diskutiert wird. Dies wäre längst nicht über SMS möglich. Für Spiegel-Diskussionen muss man sich Zeit nehmen und noch fähig sein längere Texte zu verfassen.
    Es ist zwar schade, dass man nicht zu jedem Artikel direkt ein Kommentar verfassen kann. Aber andererseits verständlich, da vieles nur Fortsetzungen sind. Und alles andere kann man wirklich im Forum bereden.

    Ich finde es gut, dass Spiegel so ist wie es ist, weil dies wesentlich angenehmer anzusehen ist als manch andere Medienseite, die versucht modern zu sein. Es ist oft besser, einfach schlicht zu sein. Hängt aber auch vom Klientel ab.

    Wer sich für Spiegel keine Zeit nehmen kann oder will, soll sich nicht wundern, dass Spiegel nichts für kurz zwischendruch ist.

  3. […] - Simoncolumbus - Hansjörg Schmidt - Nur mein Standpunkt - Lostfocus - Die Welt ist … - Bluejax - […]

  4. […] - Simoncolumbus - Hansjörg Schmidt - Nur mein Standpunkt - Lostfocus - Die Welt ist … - Bluejax - […]

  5. Nachtrag:
    http://twitter.com/einestages

    Spiegel ist damit nicht so unmodern, wie gedacht ;)

  6. Mich würde ja mal interessieren, auf welche der fast sämtlichen Nachrichtenseiten Du dich beziehst, die im “Magazinstil” gelayoutet sind. faz.net, welt.de, taz.de, sueddeutsche.de, derwesten.de sehen alle nicht viel anders aus als Spon. Die Einzigen, die sich da von den großen abheben, sind die Macher von bild.de. Und bei denen blicke ich nicht durch, wenn ich auf die Startseite schaue. Da muss man in zu viele Richtugnen gleichzeitig schauen. Vielleicht bin ich ja noch nicht in der Web-2.0-Welt angekommen…

  7. @noname

    Wenn du dir die Seiten der von dir aufgeführten Seiten etwas genauer anschauen würdest, müsstest du feststellen, dass diese teilweise auch diese sogenannten Magazin-Templates verwenden. Spiegel-Online hat einen ganz simplen 2-Spalten-Aufbau: Die Teaser zu den Artikeln sind allesamt untereinander angeordnet und in der Sidebar sind zusätzliche Verlinkungen aufgeführt. Natürlich mag es subjektive Geschmackssache sein, die letztlich dafür ausschlaggebend ist, ob man es gut oder weniger gut findet, ich für meinen Teil jedoch präferiere mehr den modernen Magazin-Stil.

    Nehmen wir das von dir aufgeführte Beispiel sueedeutsche.de: Während ich bei SpOn bei Aufrufen der Webseite nur einen Artikelteaser zu sehen bekomme, habe ich bei SD gleich drei, die mich empfangen. Das zieht sich dann die komplette Seite lang durch. Während bei Spiegel-Online alle Teaser schön untereinander angeordnet sind, arbeitet sueddeutsche.de mit 2 Spalten, in denen Teaser aufwarten. Ähnlich sieht es auch auf anderen Seiten aus. So verwenden etwa auch welt.de oder netzeitung.de diese Magazin-Templates und setzen nicht nur auf mehrspaltige Teaser-Anordnungen, sondern integrieren auch die Sidebar sehr schön mit in das Layout.

    Wie gesagt, es ist persönlicher Geschmack, welches Template einem besser gefällt. Ich für meinen Teil finde es nervig bei Spiegel-Online immer so weit runterscrollen zu müssen und dann auch immer nur Teaser für Teaser wie die Stockwerke eines Hochhauses abklappern zu müssen. Da finde ich das Layout von anderen Seiten wie eben Welt.de oder Sueddeutsche.de um einiges übersichtlicher und angenehmer! Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten… ;-)

    Ach ja, das hat im Übrigen überhaupt nichts mit Web2.0 zu tun!

  8. @kero-sin

    Natürlich hast du Recht, ich habe ebenso wenig objektiv über Twitter geschrieben, wie es Carsten Volkery bei Spiegel-Online getan hat. Der kleine Unterschied liegt übrigens darin, dass ich hier ein privat-publizistisches Weblog führe und nicht wie Herr Volkery für das größte deutsche Nachrichtenportal schreibe. Es stehen in diesem Falle Meinung gegen Meinung, wobei ich mich in meinem obigen Artikel weniger über die Vorzüge von Twitter auslasse, als vielmehr den spöttischen Artikel auf SpOn kritisiere!

    Per SMS??? In den Kommentaren vieler anderer Seiten wird ebenfalls lange und ausführlich diskutiert (lassen wir mal Sueddeutsche.de außen vor, die das ganze durch die Sperrzeiten selber unterbinden). Wieso die Diskussion nicht dort laufen lassen, worauf sie sich bezieht, nämlich direkt beim Artikel?!

  9. @ Meckerossi

    Du hast Recht: Was gut funktioniert, kann nicht falsch sein! Dennoch sollte man sich Neuerungen nicht gänzlich verwahren. Der Print-Spiegel kommt heute auch in Farbe und mit vielen Bildern daher, hat sich hier ebenfalls an die Gestaltung der direkten Konkurrenz-Blätter angenähert (lassen wir das inhaltliche jetzt mal lieber außen vor, da sieht es nämlich nicht viel anders aus).

    Wie gesagt, letztlich ist es ganz klar persönlicher Geschmack, welches Layout angenehmer und übersichtlicher ist. Wobei es auch immer darauf ankommt, wie man das ganze gestalterisch umsetzt. Bei Spreeblick hat es mit dem Magazin-Style etwa nicht funktioniert…

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