Neonazi-Outing am Fraunhofer Institut Ilmenau – Schockierte Mitarbeiter nach verspäteter AntiFa-Aktion
By bluejax • Nov 20th, 2007 • Category: Rassismus, m.pressed (bluejax@mpress)Am vergangenen Freitag, dem 16. November 2007 fand am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Ilmenau ein so genanntes Neonazi-Outing statt. Organisiert wurde diese Aktion von der Südthüringer AntiFa, die damit das Institut und seine Angestellten auf den Thüringenweit bekannten aktiven Neonazi Stefan K. aufmerksam machen wollte. Dieser fiel in den vergangenen Jahren vermehrt bei rechtsextremistischen Veranstaltungen auf und zeigt sich auch mitverantwortlich für den Aufbau einer Anti-AntiFa- Datenbank, in der Bilder und Daten von AntifaschistInnen aus Thüringen gesammelt werden.
IDMT: Gegen Rassismus, Gegen Gewalt
Wie der Leiter Public Relations und Marketing des Fraunhofer Institutes in Ilmenau, Henning Köhler, auf Nachfrage von bluejax.net jedoch erklärt, ist der geoutete Stefan K. bereits seit August 2007 nicht mehr als Mitarbeiter des IDMT tätig. Ausdrücklich weist Köhler darauf hin, dass das IDMT „radikale und gewaltbereite Personen bei Kenntnis dieser Fakten nicht tolerieren würde“. Daraus lässt sich schließen, dass durchaus personelle Konsequenzen gezogen würden, beträfe ein solches „Neonazi-Outing“ einen der aktuell angestellten Mitarbeiter. „Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Fraunhofer IDMT lehnen Radikalismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in jeder Form strikt ab.“
Schock und Vewirrung am IDMT
Wie Henning Köhler bestätigt, erfuhren die MitarbeiterInnen des IDMT relativ schnell von der Flugblatt-Aktion der Südthüringer AntifaschistInnen. So wurden die Flyer und Handzettel unter anderem an den Autos der Fraunhofer- Mitarbeiter im Ernst-Abbe-Zentrum verteilt, was zu erheblichen Irritationen geführt hat. Die Information habe „alle Mitarbeiter schockiert“.
Allerdings scheint die öffentliche Aufmerksamkeit des Neonazi-Outings nicht all zu groß gewesen zu sein. Der Großteil der Studierenden hat von der ganzen Aktion gar nichts mit bekommen. Erst am gestrigen Montag gingen die ersten Gerüchte über den Campus und es wurden Links mit Verweisen auf die Flugblatt-Aktion im Internet über Messanger-Dienste verbreitet.
Kaum Reaktionen in der Öffentlichkeit
Bei den Medien sowie den Offiziellen von Stadt und Universität scheint die Aktion ebenso völlig unbeachtet geblieben zu sein. So gab es bis zum heutigen Tag keine Anfragen von Journalisten zu Stellungnahmen an die Presseabteilung des IDMT. Und auch von der Stadt Ilmenau und von Seiten der TU Ilmenau gab es bisher keinerlei Reaktionen, was allerdings nicht all zu viel zu bedeuten hat. Schon in der Vergangenheit wurde von diesen beiden Institutionen immer wieder darauf verwiesen, dass es in der 26.500 Einwohner Stadt Ilmenau weder Rassismus noch Rechtsextremismus gäbe.
Wie Köhler betont, habe während der Beschäftigungszeit von Stefan K. am Fraunhofer Institut nichts auf einen rechtsextremistischen Hintergrund gedeutet. Weder durch sein Verhalten, noch durch fragwürdige Äußerungen sei auf eine Verbindung K.`s zur rechtradikalen Szene in Thüringen zu schließen gewesen. Spannungen oder gar Konflikte zwischen ihm und den vielen am Fraunhofer Institut angestellten ausländischen Mitarbeitern seien nicht bekannt.
bluejax
Il, den 20. November 2007
Quellen und Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fraunhofer-Gesellschaft
http://www.idmt.fraunhofer.de/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Outing#Outing-Strategie_der_Antifa
http://www.agst.antifa.net/
http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Antifa
http://www.idmt.fraunhofer.de/de/
presse_medien/ansprechpartner.htm
http://www.bluejax.net/
http://www.agst.antifa.net/archiv/093/flyer_gross.jpg
http://www.agst.antifa.net/archiv/text093.htm
http://de.indymedia.org/2007/11/199975.shtml
http://www.ilmenau.de/
http://www.tu-ilmenau.de/uni/index.php
bluejax is
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Hab davon gar nix mitbekommen, obwohl ich an der TU studiere…
Ich frage mich allerdings, wie die rechtliche Lage dazu aussieht. Zum einen bin ich auch gegen Nazis und finde es gut, dass ein bekannter Neonazi nicht mehr hier arbeitet. Andererseits frage ich mich, ob es nach deutschem Recht überhaupt so einfach wäre, jemanden wegen rechtsradikaler Aktivitäten einfach so rauszuschmeißen, sofern diese nichts mit seiner Arbeit zu tun haben.
Darüber hinaus frage ich mich, ob die ganze Aktion überhaupt was bringt. Der Typ geht woanders hin zum Arbeiten. An seiner Einstellung wird das wohl kaum was ändern und am gesamten Nazi-Problem auch nicht (vor allem bei der Ignoranz in weiten Teilen der Bevölkerung).
Wollte nur mal bemerken, dass Herr Köhler für “Presse und Öffentlichkeitsarbeit” zuständig ist. So kann man es der Homepage des IDMT entnehmen. Dies hat prinzipiell nichts mit Marketing zu tun, so wie es im Artikel verfälscht wurde.
Zum anderen wird er der Öffentlichkeit wohl kaum auf die Nase binden, wenn es intern evtl. Anzeichen gegeben hätte. Das wäre für den Ruf bzw. das Image des IDMT nicht sehr förderlich. Aus dieser Perspektive sind seine Äußerungen also vorherzusehen.
Um nichts zu unterstellen - vielleicht gab es wirklich keine Anzeichen. Man sollte solche Äußerungen jedoch entsprechend bewerten.
@ Joe
Die Bezeichnung wurde nicht verfälscht wiedergegeben. Vielmehr habe ich mich bei der genauen Zuständigkeit von Herrn Köhler auf die letzte E-Mail, die ich von ihm in dieser Angelegenheit erhalten habe, berufen.
Und in dieser ist er als Leiter Public Relations & Marketing aufgeführt. Wenn er sich in der Angelegenheit in dieser Funktion an mich wendet, dann berufe ich mich auch darauf und nicht auf eine Angabe auf der Homepage (die sicherlich auch stimmen wird)!
@ Joe
Selbstverständlich hast du mit deiner Annahme recht, dass anderslautende Aussagen von der Pressestelle sicherlich nicht an die Öffentlichkeit kommuniziert werden würden.
Nichtsdestotrotz ist es zu diesem Zeitpunkt die einzige Stellungnahme, die zitierbar ist. Vielleicht melden sich auch noch weitere Mitarbeiter des IDMT, die dann andere Angaben machen. Wer weiß?!
Jedenfalls wird sich das IDMT in Zukunft an den Worten von Herrn Köhler messen lassen müssen!
“Und auch von der Stadt Ilmenau und von Seiten der TU Ilmenau gab es bisher keinerlei Reaktionen, was allerdings nicht all zu viel zu bedeuten hat. Schon in der Vergangenheit wurde von diesen beiden Institutionen immer wieder darauf verwiesen, dass es in der 26.500 Einwohner Stadt Ilmenau weder Rassismus noch Rechtsextremismus gäbe.”
Bei solchen Aussagen würde ich mir Quellen wünschen
“Fraunhofer Institut Ilmenau” - das finde ich sehr schlecht als Teil der Überschrift, denn es gibt noch ein zweites Institut in Ilmenau, genaugenommen ein Fraunhofer Anwendungszentrum. Erst überlegen, dann schreiben!
thenX2
Da kann ich mich gerne selber als Quelle zur Verfügung stellen. Es ist gerade etwa 1,5 Jahre her, als unsere damalige iSTUFF-Gruppe eine Talkshow zum Thema Rassismus in Thüringen produziert hatte.
Dazu der Verweis auf zwei weitere bluejax-net-Artikel. Der erste, Studentische Initiative gegen ...kussion auf dem Campus Ilmenau kündigt die Pläne an und erzählt etwas von den Intensionen und Vorstellungen, die mit der Produktion verbunden sind.
Sicherlich interessanter dann der Artikel Traurig aber wahr: Rassismus i...heken - Alltag in Thüringen!?. Darin werden die ganzen Sachverhalte, die zur Erstellung der Sendung geführt haben noch mal genau aufgeführt und vorgestellt. Auch über die Talkshow selber wird geschrieben. U.a. heißt es:
Äußerst überraschend war, welchen Wirbel die Sendung im Vorfeld erzeugte: Der Direktor der TU Ilmenau (TUI) nahm Kontakt mit uns auf und versuchte „ein gutes Wort“ für Ilmenau und die TUI einzulegen. Am Abend der Sendung dann kamen diverse Vertreter der Stadt Ilmenau und der Universitätsleitung und wollten der Sendung beiwohnen. Man war brüskiert und warf uns vor, wir würden übertreiben. Was uns eigentlich einfiele solch eine Sendung zu machen, mussten wir uns anhören. Ilmenau sei ein Vorbild an Toleranz, ein Problem mit Rassismus und Rechtsextremismus gäbe es weder in Ilmenau noch in Thüringen.
Glaub mir, es geht mir nicht darum, irgendjemanden ungerechtfertigterweise in die Pfanne zu hauen oder zu verärgern. Dennoch finde ich es wichtig, auf Missstände hinzuweisen und diese offen anzusprechen.
Jeder der mich kennt weiß, dass ich jederzeit zu Diskussionen und persönlichen Gesprächen bereit bin und Kritik immer gerne aufnehme!
@ Thorsten Göbel
Es ist zumindest definitiv nicht falsch, dass ich das Fraunhofer Institut Ilmenau in der Überschrift nenne. Natürlich hätte ich auch „IDMT“ schreiben können. Aber sein wir doch mal ganz ehrlich: Mit diesem Begriff können nur die wenigsten etwas anfangen. Außerdem wird gleich im ersten Satz des Artikels klar gemacht, dass es sich um das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) handelt.
E-Mail vom Fraunhofer Institut
Heute Nachmittag hat sich das Fraunhofer Institut mit mit in Verbindung gesetzt. Aber nicht, um mich für den Artikel zu kritisieren, sondern lediglich, um mich darauf hinzuweisen, dass ich das Logo des IDMT lieber nicht in der Anfangs-Grafik verwenden solle.
Genau heißt es:
[…]
In Ihrer Veröffentlichung verwenden Sie eine Grafik, die das Fraunhofer IDMT in einem falschen Zusammenhang erscheinen lässt. Es entsteht der Eindruck, das Stefan K. aktuell noch am Institut tätig ist. Wie Sie in Ihrem Beitrag bereits richtig geschrieben haben, ist er aber schon seit mehreren Monaten nicht mehr bei uns beschäftigt.
[..]
Wir möchten Sie deshalb bitten, diese Grafik zu entfernen.
Vielen Dank.
Dieser Bitte komme ich selbstverständlich unverzüglich nach. Aus diesem Grund habe ich die betreffende Grafik abgeändert. Statt des Logos des IDMT seht ihr nun ein Bild, welches einen Ausschnitt des Ernst-Abbe-Zentrums zeigt. Dies ist zum einen der Sitz des IDMT und zum anderen ist es auch gleichzeitig der Ort des Geschehens, wo die Outing-Aktion durchgeführt wurde.
Bezüglich meiner Kommentare:
Danke für Deine Stellungnahme. Mit dieser Erläuterung kann man doch leben.
Danke und weiter so!
[…] « Ersti-Bowlen […]
Ja, leider denken viele Stadtangehörigen nicht nur, dass es kein Problem mit Rechtsextremismus und Rassismus gäbe, sondern wissen sogar nichts um die noch deutlicher zu Tage tretende Gewaltbereitschaft vieler jugendlicher Einheimischen.
Deswegen ist es von enormer Wichtigkeit, dass man Gewalttäter unbedingt bei der Polizei anzeigt!
Nicht nur, dass die Polizei einem sonst nicht helfen kann, diese Taten treten dann auch nicht in der Polizeistatistik auf. Das hat zur Folge, dass das Personal der Polizei gekürzt wird und die Gewalttäter sich noch sicherer fühlen…
Also Gewalttäter bitte unbedingt anzeigen!
[…] 170. Neonazi-Outing am Fraunhofer Institut Ilmenau – Schockierte Mitarbeiter nach verspäteter AntiFa-Aktion Il, den 20. November 2007 […]
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