Asalto al Sueño: Der Angriff auf den Traum – Ein aufwühlender Film über die Migration in Lateinamerika
By bluejax • Nov 7th, 2007 • Category: LateinamerikaEinen sehr beeindruckenden Film über Migration in Mittelamerika habe vergangene Woche im Rahmen meines Spanisch-Intensiv-Kurses beim Motivés-Verein in Kirchvers gesehen. Bewegend und aufreibend zeigt Uli Stelzner in „Asalto al Sueño“ (Angriff auf den Traum) die Gefahren und Anstrengungen, die jeden Tag Tausende von Menschen aus Lateinamerika in Kauf nehmen, um ihre Illusion vom Amerikanischen Traum zu erfüllen.
Mit Handkamera und einer unglaublichen Intensität vermittelt der Film dabei einen sehr authentischen Eindruck von der Armut und der Hoffnungslosigkeit, die so viele Menschen zu einer ungewissen Reise in Richtung Norden veranlassen. Spätestens wenn die Migranten aus Guatemala, El Salvador, Honduras und all den anderen Staaten Lateinamerikas jedoch die Grenze nach Mexiko überschritten haben, beginnt sich für einen Großteil von ihnen der Traum einer besseren Zukunft in den USA in einen bitteren Albtraum zu verwandeln.
Intensive Bilder der Realität
Wer sich für Lateinamerika, Migration oder das große Thema Globalisierung interessiert, dem sei der Dokumentarfilm „Asalto al Sueño“ wirklich ans Herz gelegt. Mit einer unglaublichen Wirkung schafft es der Film einen emotionalen Ruck im Rezipienten loszulösen, der in dieser Form nur selten erzeugt wird.
Uli Stelzner hat mit einer kleinen Handkamera über einen Zeitraum von mehreren Monaten das mexikanisch-guatemalische Grenzgebiet auf nördlicher und südlicher Seite besucht und sich mit unzähligen Menschen unterhalten, die nur ein Ziel kannten: In den USA ein neues Leben zu beginnen. Doch bevor sie auch nur annährend in die Nähe der US-amerikanischen Grenze gelangen, wartet auf die Migranten ein harter Weg und nicht selten der Tod.
Sehen. Aufnehmen. Realisieren. Verarbeiten. Diskutieren
Die Dokumentation ist wirklich ein harter Stoff, den man nicht unbedingt unvorbereitet oder alleine anschauen sollte. Selbst bei uns, die wir uns schon seit vielen Jahren mit Lateinamerika, Globalisierung und Chiapas beschäftigen, lösten die Bilder ein ziemlich unbehagliches Gefühl aus. Junge Mütter und Väter, die ihre Kinder zurücklassen, in der Hoffnung im reichen Norden mehr Geld verdienen und damit wiederum ihre Familien in Honduras oder El Salvador unterstützen zu können; Jugendliche, die die Hoffnungslosigkeit in ihren Ländern nicht mehr aushalten und alle Gefahren in Kauf nehmen, um sich den Wunsch vom „Amerikanischen Traum“ zu verwirklichen.
Es bedarf nicht erst der Bilder einer Art Auffangstation in Mexiko, um emotional erschüttert zu werden. Bilder von Menschen, die Arme und/oder Beine verloren haben, weil sie buchstäblich unter die (Zug-)Räder geraten sind. Opfer von Schlafmangel, nachlassenden Kräften, Polizei, den Mara Salvatrucha. Wahre Geschichten von enttäuschten Träumen. Voller Hoffnungslosigkeit.
Eine andere Welt – Die unbekannte Wirklichkeit
Es macht wirklich sehr nachdenklich zu sehen, wie tausende von Menschen aus jenen Ländern flüchten, in die unsereins mal so schnell auf Urlaub für eine Zeit lang einfliegt. Oftmals übersteigt es unsere Vorstellungskraft zu realisieren, in welch armen Verhältnissen in anderen Staaten versucht wird zu überleben.
Es sind Kontakte zu Menschen aus den betroffenen Ländern – seien sie persönlich oder aber über eine Dokumentation zustande gekommen – die uns zeigen, welche Auswirkungen politische Entwicklungen wie etwa das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), weltwirtschaftliche Entscheidungen oder Globalisierungstendenzen wirklich haben.
Meta- oder Makrobewertungen aus subjektiver westlicher Sicht sind eine Sache. Ein genauer Blick auf die Auswirkungen aufgrund von Beobachtungen und Untersuchungen der Mikroebene jedoch zeichnet oftmals ein ganz anderes Bild. Eines, das wir nur allzu gerne auszublenden versuchen. Weit weg schieben, vergessen. Und aus genau diesem Grund sind Dokumentationen wie „Asalto al Sueño“ wichtig. Um zu begreifen und zu verstehen. Um die wahren Begebenheiten zu realisieren.
bluejax
Il, den 07. November 2007
Quellen und Links:
http://www.motives-verein.de/
http://www.videowerkstatt.de/?page=2&event=2&key=219
http://cci.mesas.googlepages.com/Dokfilm_Traumangriff.pdf
bluejax is
Email this author | All posts by bluejax





























das hier ist ein test-komentar.
viele grüße
Ja das ist ein immer noch heißdiskutiertes Thema!
Ich habe da vor einem Jahr von T.C Boyle The Tortilla Curtain gelesen.
Und dieses Buch hat mir alles wieder vor Augen geführt, was ich teilweise selbst in CA und Tijuna gesehen habe!
Die Frage ist ist der American Dream tatsächlich so toll?
Sind die Shopping Malls die überall in Süd Amerika nachgeahmt werden so begehrenswert?
Und was kann man tun um der Bevölkerung den Wert ihres eigenen Landes darzustellen?
Denn in Wahrheit wären sie viel reicher als die USA!!!