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Die Vorbereitung eines Blog-Workshops – Von Goethes Faust, dem Regenwald und nächtlichen Gedankenspielen

By bluejax • Okt 26th, 2007 • Category: Blogosphere, In eigener Sache, Medien, Nachgedacht, Privat

„Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“ So lies einst Johann Wolfgang von Goethe im großen Faust 1 philosophieren. Nun möchte ich mir nicht mal im Ansatz anmaßen zu behaupten über nur annährend soviel Wissen zu verfügen, wie jener Heinrich der Gelehrte. Aber dennoch fühle ich mich gerade ganz ähnlich.

Am morgigen Samstag findet der Wokshop „Text – Bild – Blog“ der „M.Press – Magazin der Medien“ statt. Die Teilnehmer sollen über den ganzen Tag verteilt, einen Einblick in die redaktionelle Arbeit eines Medien-Magazins erhalten, den Umgang mit Fotografie und Photoshop lernen und mit den journalistischen Arbeitsweisen vertraut gemacht werden. Außerdem sollen die Teilnehmenden im dritten großen Teil mit Weblogs und Bloggen Bekanntschaft machen. Und für diesen Teil hat man nun mich eingeladen. Jetzt sitz ich hier, keinen halben Tag von dem Workshop entfernt und versuche Präsentationen, Skripte und Sonstiges vorzubereiten. Doch genau da liegen die Probleme…!

Meine Erfahrungen

Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;

Gut, ich beschäftige mich nun seit etwas mehr als zweieinhalb Jahren mit dem Bereich Bloggen. Im April 2005 hab ich mit bluejax angefangen, zuerst noch bei Myblog.de und im März 2006 dann mit eigenem Wordpress-Blog unter der Domain bluejax.net. Seither treibe ich mich täglich in den Tiefen der deutschen Blogosphäre rum und blogge in unregelmäßigen Abständen wöchentlich irgendwelchen Content.

Warum ich?!

Seit ich vor einigen Monaten dem „M.Press – Magazin der Medien“ beim Wechsel vom Print- zur Online-Publikation geholfen habe, bin ich nun dort im Team integriert und kümmere mich sowohl um den Online-Auftritt als auch ab und wann um Content-Inhalte.

Als dann vor einiger Zeit die Idee entstand einen Einführungs-Workshop für Studenten der TU Ilmenau zu veranstalten, kristallisierte sich ziemlich schnell heraus, dass auch der Bereich „Blog“ berücksichtigt werden soll. Und ohne große Diskussion, hatte ich dann auch schon die Aufgabe zugeteilt bekommen, den Workshop-Teil über Weblogs zu übernehmen. Mit sämtlichen Freiheiten.

Projekt- und Zeit-Management???

Und wie es bei mir typisch ist, muss ich das ganze mal wieder auf den letzten Drücker machen, obwohl ich doch schon seit längerem wusste, was auf mich zukommt. Zum einen hat dies sicherlich damit zu tun, dass ich im Moment viele (manche sagen schon es seien zu viele) verschiedene Projekte für die Uni am laufen habe. Zum einem stecke ich gerade mitten in der Konzeptionsphase für eine Verkaufstrategie, samt PR-Konzeption und Erstellung einer Webseite, für ein Ton- und Musikstudio. Des Weiteren stehen Meilenstein-Aufgaben für die Konzeption eines Internetportals für einen großen deutschen Fernsehsender an. Garniert wird das ganze von Hausarbeiten/ Forschungsberichten, Vorträgen/ Präsentationen und der Vorbereitung eines Medienprojektes im Bereich Web-TV.

Außerdem werde ich ab der kommenden Woche beim internationalen Forschungsprojekt „Worlds of Journalism“ als Studentische Hilfskraft einsteigen. Dabei werden Journalismus-Kulturen in 14 verschiedenen Ländern untersucht, ausgewertet und miteinander verglichen.

Gut, damit zu meiner Ausrede. In Wirklichkeit ist es aber wohl eher so, dass ich mir einfach angewöhnt habe, alles möglichst auf den letzten Drücker zu erledigen. Ich brauche wahrscheinlich den zeitlichen Druck, um mich einer Sache mit vollstem Einsatz widmen zu können. Interessanterweise entstehen auch die meisten Blog-Artikel für bluejax.net in eben jenen Phasen, in denen ich eigentlich gar keine Zeit für Bloggen habe.

Der Wald vor lauter Bäumen

Was wollte ich jetzt nochmal sagen? Ach ja, der Workshop morgen. Nun, wie gesagt beschäftige ich mich nun seit längerer Zeit mit dem Bereich Weblogs und versuche auch immer wieder dieses Phänomen unter medienwissenschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten, die ich in meinem Studium der Angewandten Medienwissenschaft beigebracht bekomme.

Doch stellt euch mal in einen großen dichten bunten Regenwald und fangt dann an zu beschreiben, was das Besondere des Urwalds ist. Genau, es gibt so vieles, über das man reden und lehren kann, dass man womöglich gar nicht weiß, wo man beginnen und wo enden soll. Soll man das Ganze aus einer Art Meta-Ebene beschreiben, also auf den Urwald und seine Funktionen für den Naturhaushalt der Mutter Erde eingehen? Oder soll man von der großen Artenvielfalt erzählen, den Schmetterlingen, den Vögeln und Affen in den Baumkronen?

Was ist relevant, was will man hören?

Auf das Thema Weblogs bezogen: Soll ich den Workshop TeilnehmerInnen morgen eher die Bedeutungsfunktion der Blogs im medialen und gesellschaftlichen System erläutern oder aber einen Blick auf die wichtigsten Weblogs und die Köpfe dahinter werfen, um das Gesicht der Blogosphäre zu zeigen? Was wollen die Leute wissen? Aus welchen Elementen und Besonderheiten Weblogs aufgebaut sind oder wie man sich ein eigenes Weblog anlegt und Inhalte erstellt? Soll ich Anekdoten und Geschichten zu den wichtigsten deutschen Blogs erzählen oder mit den TeilnehmerInnen zusammen neue Weblogs anlegen? Möchte man wissen, wie man sich ein eigenes unabhängiges Weblog mit Wordpress samt eigener Domain aufbaut oder lediglich, wie man sich ein Kostenloses bei einem der Blog-Anbieter anlegt?

Das ist wahrscheinlich die Hauptfrage, die mich gerade beschäftigt: Was möchten die TeilnehmerInnen? Was erwarten Sie von mir? Mit welchen Vorerfahrungen kommen sie und mit welchem Wissensstand möchten sie nach dem Seminar wieder raus kommen? Erwartet man einen nahen Bezug zu theoretischen Konzepten des Medienstudiums oder will man am Samstagabend zu Hause in der Lage sein, ein eigenes Weblog anzulegen und sich in der deutschen Blogosphäre zurechtfinden?

Do it my Way!

Ich tendiere ehrlich gesagt eher zu Letzterem. Mein Ziel ist es, den Teilnehmenden soviel Wissen mit auf den Weg zu geben, dass sie nachher sagen können, sie können etwas mit den Begriffen „Bloggen“ und „Blogosphäre“ anfangen. Theorien werde ich wohl versuchen zu umgehen, schließlich heißt es ja „Workshop“ und nicht „Learnshop“, damit werden die StudentInnen während des Studiums schon genug geplagt. Am meisten Sinn macht es für mich auch, zu zeigen, wie man bei Wordpress oder einem sonstigen kostenlosen Anbieter ein eigenes Blog anlegt. Sollte allerdings genug Vorwissen sowie das Interesse daran bestehen, kann ich natürlich dennoch auch eine kurze Anleitung geben, wie man sich ein „richtiges“ individuelles Blog mit Wordpress bastelt.

Bunte Geschichten aus dem Leben

Wenn ich in einer Vorlesung sitze, dann sind es meistens die persönlichen Anekdoten und Geschichten, die die meiste Aufmerksamkeit von mir erhalten. Wieso also nicht auch einige Geschichten der deutschen Blogosphäre erzählen? Berichten vom Jamba-Kurs, dem StudiVZ, der Free-Burma-Aktion und der Diskussion um Yahoo/Flickr und Adical?! Über die Geschichten und Namen sprechen, die hinter Spreeblick, BildBlog, Blogbar, Netzpolitik oder den Deutschen Blogcharts stecken.

Ihr seht, es mangelt mir nicht an Ideen für den morgigen Workshop. Vielmehr ist es die Zeit, die mir Sorgen bereitet. Nicht, dass ich mir Gedanken mache, dass ich bis morgen nichts mehr auf die Beine gestellt bekomme. Die Nacht ist mein Freund, zu keinem Zeitpunkt bin ich produktiver als im Dunkeln. Vielmehr macht mir Angst, dass ich den zeitlichen Rahmen sprenge, der mir gegeben ist. Halte ich mich an unrelevanten Dingen auf, nerve ich womöglich die TeilnehmerInnen mit langweiligen Geschichten, und beraube ich sie damit gleichzeitig dem praktischen Teil?

Die Nacht, mein Freund!

Die Antworten werde ich wohl erst morgen erhalten, spätestens, dann wenn der Workshop zu Ende ist und die Veranstaltung reflektiert und evaluiert wird. Solange bleibt mir nur, mich wieder vom Bloggen und dem Surfen in den Tiefen der Blogosphäre zu lösen und mich dem Erstellen der Powerpoint-Präsentation sowie des Scriptes zu widmen.

Und wenn ich so auf die Uhr und aus dem Fenster schaue, dann scheinen die besten Voraussetzungen für ein frohes Arbeiten gegeben zu sein. Je später es wird, desto mehr nähere ich mich meiner besten Schaffens- und Konzentrations-Phase. Dazu passen dann auch die Eingangs zitierten Gedanken des Dr. Faust. Sie stammen nämlich aus dem Kapitel „Nacht“. Es duftet nach frischem Kaffee. Beste Voraussetzungen also!

bluejax
Il, den 26. Oktober 2007

Quellen und Links:
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3448&kapitel=1#gb_found
http://de.wikipedia.org/wiki/Goethe
http://de.wikipedia.org/wiki/Faust._Eine_Trag%C3%B6die
http://mpress.mediencampus-ilmenau.de/2007/10/23/mpress
-workshop-text-bild-blog/
http://mpress.mediencampus-ilmenau.de/
http://www.bluejax.net/2006/03/12/fertig-los-%e2%80%93-
yipiehhh-ich-hab-ein-weblog/
http://www.bluejax.net/2006/03/14/in-eigener-sache-neues
-heim-neues-gluck-%e2%80%93-bluejaxnet-geht-online/
http://www.worldsofjournalisms.org/

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12 Responses »

  1. Dinge auf den letzten Drücker zu machen, scheint wirklich deine Stärke zu sein! Fands toll heute. Vielen Dank.

  2. danke, hat mir auch spaß gemacht :-)
    auch, wenn ich etwas fertig war…

  3. Hehe, vielen Dank!
    Aber bitte vergesst nicht Flo (”Journalismus”), Leschi (”Fotografie”), Dennis (”Organisation”), Katja (”Human Ressources”), Verena (”Organisation”), Sandra (”Human Ressources”), Xenia (Chefred),… die alle einen klasse Job gemacht haben!!!

  4. Außerdem waren alle TeilehmerInnen wirklich spitze, macht Spaß mit interessierten und lernwilligen Leuten zusammenzuarbeiten.

    Eure Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen, Respekt!

    Ein großes Dankeschön an EUCH!!!

  5. Tja, so geht`s zu an der TU Ilmenau,… ;-)
    Na dann bin ich aber mal gespannt, ob der/die eine oder andere von euch mit ins M.Press-Team einsteigen möchte! Wie siehts denn aus, Lust?!

  6. Na dann, das sind doch schon mal besten Voraussetzungen :-)

    Ganz ehrlich, wenn du auch nur ansatzweise Lust am Schreiben und/oder Fotografieren hast, versuch es. Man kann nur etwas dazulernen, wenn man es probiert. Ich bin auch kein “Schreibtalent” und dennoch nerve ich seit geraumer Zeit die Welt mit meinen Gedanken und Worten. Also ich und das gesamte M.Press-Team würden uns wirklich sehr freuen!

    Und was die Zeit angeht, du hast hier selbstverständlich alle Freiheiten. Schließlich soll das ganze ja vor allem eins: Spaß machen!

  7. ähm, wo sind denn die ganzen kommentare von “jottbook” aus letzter nacht hin??? komisch…

  8. Spam-Karma wütet bei bluejax.net!

    Gerade eben erhielt ich von Jottbook, die heute Nacht mehrere Kommentare hier zum Artikel geschrieben hatte folgende Nachricht per Kontaktformular:

    “Hallo, das System hat mich irgendwie beschuldigt ein SPAM zu sein und deshalb kann ich nichts mehr schreiben. – Voll gemein… :-( Naja, da steht immer dort, dass der Admin mich freischalten kann. – Bist du das? Wenn ja, dann hast du jetzt wahrscheinlich so gefühlte 1000 Nachrichten, dass ich versucht hab einen Kommentar zu schreiben.
    Naja, ich weiß leider auch nicht, was mich als SPAM qualifiziert hat. Vielleicht kriegen wir das ja doch noch irgendwie wieder hin.
    Liebe Grüße”

    Komischerweise waren die Kommentare schon von Spam Karma freigegeben und veröffentlicht. Im Verwaltungssystem find ich keinen Hinweis mehr auf die Kommentare, ich hab nur noch die Bestätigungsmails. Hmmmm, was tun? Hat irgendjemand eine Idee???

  9. Hier die auf kuriose Weise von Spam Karma gelöschten Kommentare von jottbook:

    Kommentar von jottbook — 27. Oktober 2007 @ 22:44

    Hallo, also da muss ich zustimmen. Ich find auch, dass du ’s voll gut gemacht hast. Ich konnte ehrlich gesagt mit bloggen vor dem Workshop garnicht viel anfangen. Nicht dass ich nicht wusste was es ist, aber ich fand die ganze Sache derart unübersichtlich, dass ich mir nie die Mühe gemacht hab’ mich mit dem Ganzen auseinander zu setzen. Du hast es jetzt geschafft, dass ich zumindest schon einmal deinen Blog hier gelesen hab’. Also schon ein Erfolg!
    Ja, dann wünsch ich dir noch einen schönen Abend, liebe Grüße und ruh’ dich schön aus *g*

    Kommentar von jottbook — 27. Oktober 2007 @ 23:16

    Ja stimmt, ich glaub ich konnte von allen heut was lernen und dank der guten Essensorganisation konnte ich mein “Pausebrot” sogar noch fürs Abendessen verwenden. Also haben echt alle super gemacht. Find ich toll, dass ihr euch so engagiert für den Nachwuchs, das ist nicht selbstverständlich.

    Kommentar von jottbook — 27. Oktober 2007 @ 23:35

    Hat mir heute schon sehr gut gefallen. Allerdings bin ich mir noch nicht so ganz sicher ob ich wirklich so das “Schreibtalent” bin – meine Deutschlehrer waren manchmal nicht so überzeugt und ob ich s von der Zeit her schaff’. Aber wenn man will ist alles machbar, auch mit 28 SWS, 3 Projektgruppen, Sport jeden Tag und Istuff (darf ich das sagen?). Also ich fäns schon cool hin und wieder mal was zu schreiben oder mal ein Foto beizutragen.

  10. “Schließlich soll das ganze ja vor allem eins: Spaß machen!” Dem kann ich nur zustimmen … also wenn du eine Idee hast, versuch es einfach – mehr als schief gehen kann es nicht :)

    And by the way: Deutschlehrer haben nicht immer Recht ;)

  11. So, ich probiers mal nochmal. Mal schaun ob ich immernoch ein SPAM bin…

    Wenn ich mal “groß” bin, dann geh ich zu meiner Deutschlehrerin von der 8. und sag ihr das sie unrecht hatte…

    Ja, ich werd’ mal schauen ob mir was spannendes einfällt was ich schreiben kann. Vielleicht bin ich ja kreativ.
    Liebe Grüße und schönen Abend

  12. mein Deutsch ist nicht gut, is it availible in English

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