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Medien-Manipulation?! Marietta Slomka vs. Chávez – Eine heute-journal-Moderatorin und ihr Kampf gegen Links

By bluejax • Aug 6th, 2007 • Category: Lateinamerika, Medien, Politik, m.pressed (bluejax@mpress)

Man mag über den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und seine Politik denken wie man will. Eine objektive Berichterstattung jedoch gehört gerade für Journalisten zu den Grundprinzipien ihrer Arbeit. Wenn man überlegt, welchen enormen Einfluss Journalisten und Medienvertreter als Mittler zwischen Politik und Gesellschaft einnehmen, und wie sich deren Aussagen und Stellungsnahmen auf die Meinungsbildung der Öffentlichkeit auswirken, muss man ganz besondere sachliche und vorurteilslose Arbeiten erwarten. Eine latente Medienmanipulation birgt Gefahren für Demokratie und Gesellschaft!

Heute lernen wir: Wie man Zuchauer beeinflusst

Marietta Slomka, die Moderatorin des heute-journal auf dem ZDF scheint von solchen Dingen noch nicht viel gehört zu haben. Die diplomierte Volkswirtin hat am vergangenen Freitag, den 03. August 2007 zum wiederholten Male ihre Anmoderation eines Beitrage über die Nichtverlängerung der Ausstrahlungslizenz von RCTV dazu genutzt, um eine subjektive und verzerrende Bewertung der Vorgänge zu vermitteln. Dabei widersprach sie nicht nur den Aussagen im darauf folgenden Beitrag, sondern versuchte sich auch in einem Imagetransfer des venezolanischen Präsidenten auf eine deutsche Partei.
Das Redblog hat die Vorgänge dokumentiert.

Anmoderation Marietta Slomka (MP3)
Beitrag (MP4)


Bildquellen: ZDF.de; Heute.de; Wikimedia.org

Reaktionen & Bewertungen westlicher Medien

In dem Artikel „Medien zwischen Macht & Manipulation: Hugo Chávez vs. RCTV – Venezuela & die westliche Presselandschaft“ habe ich am 02. August bereits das Thema Cháves gegen RCTV aufgegriffen und beleuchtet. Ich habe einige Medien und Experten abseits des Mainstreams vorgestellt, die eine völlig andere Bewertung der Vorgänge wiedergeben, als es die Mehrheit der westlichen Medienpublikationen tut.

Wie in den dortigen Kommentaren richtig festgestellt wurde, habe ich mich mit einer abschließenden Bewertung der Vorgänge in Venezuela zurückgehalten, weil es mein Anliegen war, die LeserInnen selbst ein Meinungsbild des Ganzen machen zu lassen. Nichtsdestotrotz ließ sich meine Meinung und Bewertung aus dem Beitrag insgesamt doch recht deutlich erschließen.

Slomka verbreitet ihr Weltbild

Marietta Slomka vom heute-journal geht einen ganz anderen Weg. Sie versucht nicht einmal eine objektive Stellung einzunehmen und den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ihre Anmoderation vom vergangenen Freitag klingt wie eine Anklageschrift:

“Um die Freiheit der Medien geht es auch im nächsten Bericht. Man stelle sich mal folgendes vor: Bundeskanzlerin Merkel würde den Privatsender RTL abschalten, weil ihr die Bertelsmanngruppe politisch nicht passt oder weil RTL sich weigert, jederzeit auf Kommando, Sendplätze frei zu räumen, um ellenlange Merkelreden auszustrahlen. Eine absurde Vorstellung, natürlich wäre das undenkbar. Doch so ist es in Venezuela geschehen.“

Wer meinen letzten Artikel zum Thema gelesen hat, dem wird der größte Fehler hier sicherlich sofort ins Auge springen. Genau, RCTV wurde nicht „abgeschaltet“! Vielmehr wurde eine Lizenz, die vor 20 Jahren ausgestellt wurde und die nun ausgelaufen ist, schlichtweg nicht verlängert!

Ein hinkender Vergleich mit Macken

Auch wird die Rolle von RCTV beim so genannten „Ersten Medienstaatsstreich der Welt“ mit keinster Silbe erwähnt. Um es mit Slomkas Worten zu erklären, man stelle ich mal folgendes vor: RTL würde gefälschte Beiträge senden, in denen Szenen so zusammen geschnitten werden, dass der Eindruck entsteht, dass die Regierung kompromisslos und ohne Rücksicht auf Verluste auf Demonstranten schießt. Eine Manipulation von Nachrichten und Bildern „auf üble Weise“ (Deutschlandfunk). Man stelle sich vor, RTL würde in seinen Nachrichten immer die Opposition preisen und zum Putsch gegen die (demokratisch gewählte) Regierung aufrufen. Weiter stelle man sich vor, RTL würde dies alles über viele Jahre hinweg machen.

Eine absurde Vorstellung, natürlich wäre das undenkbar! Nicht aber in Venezuela. Denn eben jenes Verhalten muss man offensichtlich RCTV vorwerfen. Und anders als es wohl in den meisten Ländern der Fall gewesen wäre (ja, auch in Deutschland, Frau Slomka) hat die venezolanische Regierung RCTV nicht die Lizenz wegen Verstoßes gegen die medienrechtlichen Auflagen entzogen. Vielmehr hat man das Auslaufen der Lizenz nun dazu genutzt, um den Frequenzplatz einem anderen Sender zuzuteilen.

Ein Spiel mit Adjektiven

Man kann sich darüber Streiten, ob das Vorgehen die richtige Entscheidung gewesen ist. Natürlich hätte man auch eine juristische Überprüfung des Senders anstreben können. Dies wäre sicherlich auch ein besseres Signal an die westliche Welt gewesen, die Chávez ohnehin sehr kritisch, manchmal gar verleumderisch betrachtet. Man hätte prüfen können, ob und inwiefern der Sender gegen Auflagen und Gesetze verstoßen hat und dann juristische Konsequenzen ziehen können. Vielleicht hätte eine solche Überprüfung weitaus schlimmere Auswirkungen für RCTV mit sich gebracht.

Denn anders als suggeriert, wurde der Sender nicht geschlossen. Lediglich die auslaufende Lizenz zum Senden über Antenne wurde nicht verlängert. RCTV kann sein Programm aber weiterhin über Kabel und Satellit an die venezolanische Bevölkerung ausstrahlen. Das immerhin hat auch Marietta Slomka verstanden und formuliert es folgendermaßen:

“Der immer diktatorischer regierende Hugo Chávez hat den größten, ältesten und populärsten Privatsender Venezuelas aus dem Antennennetz genommen. Nur über Kabel und Satellit darf er noch senden. Doch die hat in Venezuela kaum jemand. Hugo Chávez, hierzulande von Oskar Lafontaine und der Linkspartei als Vorbild gefeiert, hat sich mit dieser Zensur aber womöglich schwer verkalkuliert, denn er nahm damit seinem Volk dessen liebste Sendung weg.“

Moderatorin widersprich Beitrag

Interessant ist, wie eine diplomierte Volkswirtin, die sich mit Mengen und Zahlen zumindest nicht all zu schlecht auskennen dürfte, den Begriff „kaum“ definiert. Denn während Slomka in ihrer Anmoderation davon spricht, dass den größten und populärsten Sender Venezuelas nun „kaum“ mehr jemand sehen könnte, weil dieser nur noch über Kabel und Satellit senden „darf“, spricht Carsten Thurau im nachfolgenden Beitrag davon, dass RCTV nun 50% weniger Zuschauer erreiche als zuvor. Wenn also 50% der vormals erreichten Menschen „kaum“ sind, dann dürften zuvor auch „kaum mehr“ erreicht worden sein. Denkfehler?

Interessant auch, wie Frau Slomka zuerst dem venezolanischen Präsidenten ein grausames Image verpasst, um dieses im Anschluss auf eine deutsche Partei und einen deutschen Politiker zu transferieren. Man sehe sich nur einmal die Adjektive an, die sie verwendet. Ein diktatorischer Präsident, der den größten, ältesten und populärsten Sender aus dem Antennennetz (sie hat`s doch verstanden!?) nimmt und seinem Volk damit seine liebste Sendung nimmt. Dann der Überschwung zu Lafontaine und Linkspartei. Voilá, geschickt gemacht, Frau Slomka!

Gut gebrüllt – Schlusssatz als Nachdruck

Um nochmal auf Nummer sicher zu gehen, dass die Fernsehzuschauer auch alles „richtig“ verstanden haben, hat sich Marietta Slomka noch ein paar Einschätzungen für den Schluss aufgehoben. Ihre Abmoderation schließt mit den folgenden Worten:

“Tja, womit sich wieder mal zeigt, wenn Despoten entscheiden, was gut für das Volk ist, herrscht graue Tristess, nicht nur im Fernsehen.“

Amüsant auch, dass sich der ausgestrahlte Beitrag fast ausschließlich damit beschäftigt, dass die Einschaltquoten und Werbeeinnahmen von RCTV zurückgegangen sind. Hauptthema scheinen nicht Nachrichten und Information, als vielmehr Telenovelas und Unterhaltung zu sein.

Wie bereits mehrfach gesagt, man kann über Hugo Chávez denken wie man will. Dennoch rechtfertigt das noch lange nicht, dass man Tatsachen verdreht, Fakten unterschlägt und versucht negative Images aufzubauen, um sie dann auf andere Akteure zu übertragen. Dies gilt ganz besonders für Journalisten oder Nachrichtenmoderatoren/innen, die ja gerade ihren Rezipienten ein umfangreiches Bild von der Welt vermitteln sollten!

Marietta Slomka als Widerholungstäterin

Dass Marietta Slomka nicht zum ersten Mal in dieser Sache auffällig geworden ist, hatte Redblog bereits am 17. Juni dokumentiert. Damals wurde eine Ansage Slomka`s vom 16. Juni 2007 dokumentiert. Einen Beitrag über den Gründungsparteitag der neuen Partei Die Linke moderierte sie folgendermaßen an:

“Guten Abend. Seit heute gibt es eine neue Partei in Deutschland: DIE LINKE. Sie will eine andere Republik und glaubt an Freiheit durch Sozialismus. Dass Freiheit durch Sozialismus entsteht, darüber lässt sich ja trefflich streiten, doch ist das vielleicht auch nur eine Frage der Definition. So lobt Oskar Lafontaine etwa die Verstaatlichungspolitik von Hugo Chavez, dem Präsidenten Venezuelas. Jener Chavez, der gerade oppositionelle Zeitungen und Fernsehsender verbietet.”
(Anhören)

Heute-Journal & ZDF schweigen

Daraufhin wendeten sich mehrere Menschen an die Redaktion des heute-journal um diese mit den Worten von Marietta Slomka zu konfrontieren und eine Erklärung dazu zu erbeten. Jedoch zeigte man sich beim ZDF nicht gesprächsbereit. Zu einer Stellungsnahme sah man leider nicht veranlasst!

bluejax
Il, den 06. August 2007

Quellen und Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Medienmanipulation
http://de.wikipedia.org/wiki/Marietta_Slomka
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0/0,1872,1021120,00.html
http://www.zdf.de/
http://www.bluejax.net/2007/08/02/medien-zwischen-macht
-manipulation-hugo-chavez-vs-rctv-%e2%80%93-venezuela
-die-westliche-presselandschaft/
http://redblog.twoday.net/stories/4137831/
http://1967.19.funpic.de/mp3/anmoderation.mp3
http://content.zdf.de/podcast/zdf_hjo/070803_hjo_hjopod_p.mp4
http://de.wikipedia.org/wiki/RCTV
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/marktundmedien/629242/
http://redblog.twoday.net/stories/3882377/
http://www.elementarteile.de/?p=1197
http://redblog.twoday.net/stories/4028307/

Bildquellen:
http://www.zdf.de/ZDF/s_img/16/0,6752,5328912
-render-U3-,00.jpg
http://www.heute.de/ZDFde/img/124/0,1886,5209084,00.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons /a/a8/Chavez_World_Social_Forum_2005.jpg

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11 Responses »

  1. [...] Bildquellen: ZDF.de; Heute.de; Wikimedia.org [...]

  2. Dumme Kuh – mehr fällt mir dazu nicht ein ;-)
    Aber mal ernsthaft – das ZDF ist schon seit Jahren von der CDU unterwandert (neben den offiziellen Vertretern der Parteien sind z.B. Petra Roth, Rainer Wieland, Reinhard Göhner, Christian Schramm im Fernsehrat des ZDF) – da überrascht mich sowas nicht…

  3. [...] * „Medien-Manipulation?! Marietta Slomka vs. Chávez – Eine heute-journal-Moderatorin und ihr Kampf gegen Links“ [...]

  4. “Voilá, geschickt gemacht, Frau Slomka!”

    Finde ich gar nicht. Plump und dämlich sind eher die Worte, die mir einfallen. Meine Empfehlung: abschalten. Kommt eh nur graue Tristesse.

  5. [...] * „Medien-Manipulation?! Marietta Slomka vs. Chávez – Eine heute-journal-Moderatorin und ihr Kampf gegen Links“ [...]

  6. [...] “Medien-Manipulation?! Marietta Slomka vs. Chávez – Eine heute-journal-Moderatorin und ihr Kampf gegen Links” [...]

  7. [...] * „Medien-Manipulation?! Marietta Slomka vs. Chávez – Eine heute-journal-Moderatorin und ihr Kampf gegen Links“ [...]

  8. [...] Am 06. August 2007 habe ich einen Offenen Brief an die ZDF-heute-Redaktion verfasst und veröffentlicht, den ich zum einen an die betreffende Redaktion, aber auch an diverse Vertreterinnen und Vertreter verschiedener deutscher Medienpublikationen geschickt habe. In diesem Brief habe ich Slomka und die heute-Redaktion für ihre – meiner Meinung nach – negative, weil zu einseitige Berichterstattung über den Auslauf der Lizenz im Falle des venezolanischen Fernsehsenders RCTV im speziellen und über die Darstellung des Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez, im Allgemeinen kritisiert. [...]

  9. [...] 150. Medien-Manipulation?! Marietta Slomka vs. Chávez – Eine heute-journal-Moderatorin und ihr Kampf gegen Links Il, den 06. August 2007 [...]

  10. [...] * Medien-Manipulation?! Marietta…orin und ihr Kampf gegen Links [...]

  11. [...] eigene Denken muß den Menschen durch Anschauungsunterricht (Fernsehen) abgewöhnt und vorhandene Geisteskräfte auf bloße Spiegelfechtereien einer hohlen Redekunst [...]

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