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Fertig, los!: Sitzkonzert im Erfurter Museumskeller – Sympathischer Pop-Nachwuchs aus München

By bluejax • Apr 9th, 2007 • Category: Musica

Am vergangenen Samstagabend war ich auf einem ziemlich interessanten Konzert im Museumskeller in Erfurt. Dort trat eine Band namens „Fertig, los!“ auf, drei Jungs und eine Madel aus München, die teilweise noch zur Schule gehen und erfrischenden Deutschpop zum Besten gaben. Das Quartett stellte seine neue Platte „Den Westwind ernenn ich zu meinem Friseur“ vor und gewann viele Sympathiepunkte bei einem reservierten Erfurter Publikum.

Medium: MP3
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(Bildquelle: myspace.com/fertiglos)

So wirklich gekannt hatte ich die Band vor dem Konzert eigentlich nicht. Zwar bin ich mir sicher den Namen schon einmal irgendwo gehört zu haben und auch ein zwei Songs kamen mir bekannt vor. Aber ehrlich gesagt glaub ich nicht, dass mir „Fertig, los!“ vorher ein Begriff war.

Du bewegst dich weg – weit weg von mir

So ging es im Übrigen auch dem potentiellen Erfurter Publikum. Wenn man bedenkt, dass das Tempeau-Konzert vor einigen Wochen im Museumskeller restlos ausverkauft war, dann war es doch etwas überraschend, dass bei „Fertig, los!“ nur einige wenige Zuhörer den Weg in den Gewölbekeller fanden. Schade eigentlich, denn diese Band sollte man sich – auch wenn der Name etwas unkreativ anmutet – doch merken.

„Fertig, los!“, das sind Sänger und Gitarrist Philipp Leu, Gitarrist Raphael Dwinger, Drummer Florian Wille und Bassistin Julia Viechtl. Bis auf Philipp, der sich als Student in Vorlesungen rumschlägt, sind die Bandmitglieder allesamt Abiturienten. Und als diese scheint sie die Plattenfirma auch positionieren zu wollen. Zumindest ist auf der zugehörigen Myspace-Seite von Schultourneen und Schulhof-Gigs zu lesen.

Ist es etwas Neues, fährt bald jeder darauf ab?

Dass die Band aber durchaus mehr Potential vorzuweisen hat, darf man auch an der Tatsache ablesen, dass „Fertig, los!“ auf der aktuellen Deutschlandtournee von „The Rifles“ im Vorprogramm auftreten durften (!) und sich so erstmals auch einem großen deutschen Publikum präsentieren durften.

Ganz so groß war die Fangemeinde in Erfurt am Samstag dann doch noch nicht. Das Konzert, das Ursprünglich um 22.00 Uhr starten sollte, begann wegen des schleppenden Besucherandranges gut eine halbe Stunde später. Und wie es bei mäßig besuchten Konzerten oftmals der Fall ist, war es nicht gerade enthusiastische Tanzstimmung, die die Konzertbesucher auszeichnete.

Ein Geheimnis!

Doch die Band ließ sich von diesem Umstand nicht einschüchtern. Vielmehr präsentierten sich die Jungen Wilden doch schon mit der Ruhe von alten Hasen und versuchten die Stimmung durch Ansprachen und aufmunternde Wortwitze aufzulockern.

Als auf die obligatorische Bitte, die Zuhörer sollten doch näher an die Bühne herantreten nur mäßige Reaktion aus dem Publikum kam, legten „Fertig, los!“ kurzerhand ihre Instrumente beiseite und schafften selber Stühle herbei. Diese bauten sie, wie früher in der Schule, in einem Sitzkreis vor der Bühne auf und führten die Gäste einzeln auf ihre Plätze.

Gefühle muss man zeigen

Nun konnte man auch ganz einfach die Anzahl der Konzertbesucher ablesen. Ich kam auf keine 20 zahlenden Gäste, was zwar schade war, aber keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität der Musik haben sollte. Das Konzert fand von nun an vor Sitzpublikum statt, sicherlich nicht nur für mich eine Premiere.

Die Musik der vier Bajuwaren kann man als erfrischenden deutschen Pop bezeichnen. Besonders die Stimme von Sänger Philipp geht ziemlich schnell ins Ohr und kann mit einer beeindruckenden Höhenvielfalt überzeugen. Die Melodien sind ebenfalls massentauglich und haben nicht selten Ohrwurmcharakter. Textlich zeichnen sich die Songs durch interessante Geschichten und eingängige Satzgefüge aus.

Insgesamt zeigt sich jeder einzelner Song wie ein harmonischer Brief eines privaten Tagebuches. Ob es um das Ende einer Liebe („Ich kann dich hören“) oder um Politik („Links, Rechts, Links“) geht, thematisch befassen sich die Texte mit der Gedankenwelt von Heranwachsenden und jungen Erwachsenen.

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Gibt`s da goldnes Gras?

Soviel frische Musik kam auch beim Erfurter Publikum gut an. Trotz zurückhaltendem Enthusiasmus der Zuhörer wurde die Band zu zwei Zugaberunden zurück auf die Bühne gerufen. Letztere sicherlich etwas unkonventionell aber durchaus erwähnenswert.

Sänger Philipp Leu zeigte bei seinem Soloauftritt von „Wir zwei allein“ das volle Spektrum seines gesanglichen Talents. Der Song ist ursprünglich ein Duett-Stück von David Hasselhoff und Gwen aus dem Zeichentrickfilm „Bernhard und Biaca“. Philipp übernahm beide Stimmen und kreierte eine Neuinterpretation des eigentlich unbedeutenden Liedes, dass die Konzertbesucher zu Schmunzeln und Staunen animierte. Ein erheiternder Abschluss eines interessanten Konzertes!

Geschichte geht jetzt weiter – und du bist nicht dabei!

Dass solche Qualitäten auch der Musikindustrie nicht unverborgen geblieben sind, ist kaum verwunderlich. So sind „Fertig, los!“ mittlerweile bei Columbia Records (Sony BMG) unter Vertrag und dürften mit dem Major im Rücken durchaus noch für einigen Wirbel in der deutschen Musikszene sorgen. Bei Marc Liebscher von Blickpunkt-Pop, der sich auch schon um Slut, Sortfreunde Stiller oder Virginia Jetzt! kümmerte scheinen sie auf jeden Fall in guten Händen zu sein!

Bleibt zu hoffen, dass das Quartett dabei seiner Linie treu bleibt und seine Authentizität nicht aufgibt. Dass man durchaus einen langfristigen Aufbau einer Fangemeinde anstrebt, davon zeugt der ausgiebige Tourkalender der Band. Und auch wenn das eine oder andere Konzert wenig besucht sein sollte, so ist dies doch der richtige Weg für einen dauerhaften Erfolg einer viel versprechende deutsche Nachwuchshoffnung! Ich bin mir jedenfalls sicher, dass beim nächsten Auftritt in Erfurt einige Besucher mehr anwesend sein werden. Qualität spricht sich eben rum!

Kommt es aus dem Ghetto oder von der Industrie
Ist es wirklich real oder Vermarktungs-Strategie
Fühlt man sich dann als Einheit oder individuell
Ist es für den Körper oder intellektuell
Ich würd nicht mal überlegen nein ich wär sofort dabei
Du gehst ja jeden Abend hin in dein Leben ohne Sinn

(Fertig, los!: Ein Geheimnis)

bluejax
Il, den 09. April 2007

Quellen und Links:
http://museumskeller.de/
http://www.fertiglos.com
http://www.fertiglos.com/php/admin/media/mp3/
Ich%20kann%20dich%20hoeren.mp3
http://www.myspace.com/fertiglos
http://www.fertiglos.com/php/admin/media/mp3/
Sie%20ist%20in%20mich%20verliebt.mp3
http://www.youtube.com/watch?v=fVuDmXhTF1Q
http://indiepedia.de/index.php/Marc_Liebscher
http://www.blickpunkt-pop.de/

Bildquellen:
http://a283.ac-images.myspacecdn.com/images01/13/
m_8cff82fd1bd 738a188b9ade2a26c5d9a.jpg
http://www.fertiglos.com/site/_gfx/_bnd/philipp.gif
http://www.fertiglos.com/site/_gfx/_bnd/raphael.gif
http://www.fertiglos.com/site/_gfx/_bnd/flo.gif
http://www.fertiglos.com/site/_gfx/_bnd/julia.gif

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