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Für besondere Stunden: Mit Leidenschaft und voller Hingabe –Anleitung zum Schälen einer Limette

By bluejax • Mrz 14th, 2007 • Category: Empfehlungen, Nachgedacht, Privat

Kennt ihr das auch? Ihr habt mal ein paar Stunden frei und könnt endlich etwas entspannen und machen, was immer ihr wollt?! Solange man beschäftigt ist, fallen einem genug Dinge ein, die man lieber machen würde. Sei es ein Date mit guten Freunden, ein gutes Buch, ein interessanter Film oder einfach nur etwas im Internet herum zu surfen.

Aber oftmals ist es so, dass man genau in dem Moment, in dem man dann für all jene Dinge Zeit hätte, dennoch auf dem Trockenen sitzt. Keiner ist da, mit dem man sich treffen könnte. Keiner mehr wach zum telefonieren. Im Moment mal keine Lust auf ein neues Buch. Im Fernsehen kein sehenswerter Film. Besonders nachts kann einem eine solche Situation oftmals begegnen. So wie mir gerade…

Die Leidenschaftlichkeit des Seins

Aber ich habe eben die Lösung gefunden, ich weiß jetzt, was ich zur Ablenkung mache. Ich weiß, wie ich mich die nächsten Minuten und Stunden beschäftigen werde. Es hört sich vielleicht etwas unkonventionell an, vielleicht auch etwas verrückt oder einfach nur komisch. Ist mir egal, was ihr alle denkt, ich mach es trotzdem. Ich schäle mir jetzt eine Limette!

Eine geheimnisvolle Passion

Das ist jetzt kein Scherz. Irgendwann vor einigen Jahren habe ich diese Beschäftigung für mich entdeckt. Beschäftigung? Es ist mehr als das. Es ist das Erkunden einer neuen Frucht, ein vorsichtiges Spiel mit einem Wesen. Es ist eine Passion.

Zu Beginn nehme ich diese kleine Frucht in die Hände und fange langsam an, die grüne Schale mit den Fingernägeln zu entfernen. Stück für Stück, Minute um Minute…

Allerdings mache ich das ganze mit höchster Aufmerksamkeit. Denn nichts finde ich unangenehmer als beim Schälen mit den Fingernägeln in das Fruchtfleisch zu stechen. Geschieht dies, vergeht mir schon wieder ziemlich schnell die Lust am Limetten-Schälen. Deswegen heißt es vorsichtig und behutsam mit der kleinen Frucht umzugehen. Eine Limette von ihrem grünen Mantel zu entfernen ist in etwa so, als ob man einer wunderschönen Frau ihre äußeren Kleider abstreift!

Der Duft in Samt

So, mittlerweile blitzt meine kleine schöne Limette in einem weißlichen Gewand. Es ist die Spitzenunterwäsche der Limone, die uns nun noch von dem fruchtigen Fleische darunter trennt. Nun steigt mir auch langsam der einzigartige und betörende Geruch in die Nase. Ein Wohlgeruch, der die Erwartungen auf das Geheimnisvolle darunter in die Höhe springen lässt.

Nun heißt es, noch vorsichtiger Vorzugehen. Denn unter der dünnen weißen Schicht befindet sich der Limette Heiligstes, ihr zartes Fleisch. Eine falsche Bewegung und die starken Fingernägel bohren sich in Regionen, die momentan noch unberührt bleiben sollen. Das nächste Etappenziel heißt, die Limette vollkommen zu entblößen!

Das Zügeln der Lust

Die Kunst und gleichzeitig auch die Schwierigkeit der jetzigen Phase bestehen darin, die eigene Ungeduld zu bändigen. Statt ungehalten und vorschnell die Haut abzureißen und dabei einen schmerzhaften Stich in die Frucht zu provozieren heißt es langsam und behutsam vorzugehen. Lieber schließen wir die Augen und tasten uns mit den Fingern leicht um die ganze Frucht herum und streifen das dünne Weiß langsam von ihrem Inneren.

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Das Geheimnis des Limetten-Schälens besteht darin, auch schon die Vorphase des Entkleidens mit vollem Herzen zu genießen. Wir haben alle Zeit der Welt und können uns somit über einen längeren Zeitraum an dem späteren Gaumenschmauss erfreuen. Kosten wir das volle Vergnügen ausgiebig aus, bevor es wieder zu Ende ist!

Das Ende des Vorspiels ist der Beginn des Aktes

So, nachdem wir uns nun ausgiebig mit dem Praeludium beschäftigt haben, kommen wir langsam zum Kernakt unserer Tätigkeit. Doch auch jetzt heißt es immer noch, nicht gleich die ganze Frucht gewaltsam auseinander zu reißen und ungehalten in den Mund zu stopfen. Nein!

Denn wir haben ein wehrloses und völlig entblößtes Geschöpf vor unseren Fingern liegen, das mit Zärtlichkeit behandelt werden möchte. Gehen wir es langsam und Schritt für Schritt an. Nur so können wir uns eines intensiven Genusserlebnisses gewiss sein.

Vom Suchen und Finden der Öffnung

Deswegen heißt es nun erst einmal, die richtige Stelle zu finden, um die Frucht in zwei Hälften zu trennen. Wir fahren mit unseren Fingern über den an manchen Stellen doch schon feuchten Leib und suchen besagte Örtlichkeit. Haben wir sie dann endlich gefunden, stoßen wir langsam mit unseren Fingern in die sich auftuende Spalte und pressen die Frucht vorsichtig auseinander.

Nun sind wir nur noch einen klitzekleinen Schritt vor unserem lange herbeigesehnten Geschmacktserlebnis entfernt. Das einzige, was wir jetzt noch machen müssen, ist die beiden Limettenhälften in viele kleine Stückchen aufzuteilen.

Hemmungslose Wilderei

So, und jetzt genug mit der lange Zeit praktizierten Langsamkeit. Nun können wir uns die Limette Stückchen für Stückchen schnappen und verzehren. Krallen wir uns das Objekt der Begierde, führen es in unseren Mund und bearbeiten es ein letztes Mal mit unseren scharfen Mundwerkzeugen. Jetzt ist keine Zurückhaltung oder Sanftheit mehr gefragt, sondern es geht nur noch darum, den lange herbeigesehnten Geschmack unserer erwartungsfrohen Frucht zu genießen. Geben wir uns endgültig der zügellosen Leidenschaft hin und verschlingen wir die Zitrusfrucht mit all unserer Passion.

Denn Vorüber sein wird dieses schöne Spiel der Liebe nur wieder all zu früh!

bluejax
Rottenburg, den 14. März 2007

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