Meisterhaft: Der Schatten des Windes – Die Geschichte von Julián Carax und die von Daniel Sempere
By bluejax • Aug 16th, 2006 • Category: Empfehlungen, LiteraturGerade eben bin ich nach vielen Stunden der geistigen Abwesenheit wieder zu mir gekommen. Zuvor war ich eine lange Zeit lang verschwunden. Verschwunden in einer wunderschönen Geschichte von Liebe und Schmerz, von Büchern, Barcelona und Paris. Eine Geschichte der Suche, von Fragen und Rätseln.
Es ist eine traurige Geschichte von Verlust und Einsamkeit. Spannend und voller Geheimnisse. Auf der Suche nach einem mysteriösem Autor und seinem Leben. Eingetaucht in aschenen Tagen. Abgetaucht im Schatten des Windes!

Die Suche nach einem besonderen Buch
Vor einigen Monaten war ich auf der Suche nach einem Buch. Mein Vater lag damals im Krankenhaus und da er ein wahrer Büchernarr ist, wollte ich ihm ein schönes Buch schenken, ein Gutes, das ihn begeistert. Ich finde es eigentlich immer schön, nach interessanten und guten Büchern zu stöbern. Sei es in kleinen und großen Buchhandlungen, oder aber in den Tiefen des Internets.
Irgendwann stieß ich dann im Internet auf ein Buch, eines mir unbekannten Autors, von dem ich noch nie gehört habe. Es nannte sich Der Schatten des Windes und stammt aus der Feder von Carlos Ruiz Zafón. Ich hörte, wie ein paar Leser von diesem Roman schwärmten und machte mich alsbald auf in die Buchhandlung meines Vertrauens. Dort angekommen, begab ich mich auf die Suche des Buches. Und ich wurde fündig.
Kurzbeschreibung
Ein Blick auf die Rückseite des Buchumschlages ergibt folgende Zusammenfassung:
Als der junge Daniel den geheimnisvollen „Friedhof der Vergessenen Bücher“ betritt, ahnt er nicht, dass sein Leben eine dramatische Wende nehmen wird. „Der Schatten des Windes“, das Buch, das er sich auswählen darf, wird ihn nicht mehr loslassen. Immer mehr taucht Daniel in die faszinierende Handlung des Romans ein, und auch sein eigenes Leben scheint sich den Gesetzen dieser Geschichte zu unterwerfen…
Das sagen die Kritiker
Wie es bei einem großen Teil der Bücher üblich ist, ist auch hier unter der Zusammenfassung eine kleine Auswahl an Zitaten aufgelistet, die den interessierten Kunden zum Kauf des Buches bewegen sollen. In diesem Fall handelt es sich um 2 Empfehlungen. Die erste stammt von Joschka Fischer, dem ehemaligen deutschen Bundesaußenminister:
“Sie werden alles liegenlassen und die Nacht durch lesen!“
Das zweite Zitat stammt von Elke Heidenreich, einer deutschen Autorin, Kabarettistin, Moderatorin und Journalistin:
“…rundum das, was man einen wunderbaren Schmöker nennt.“
Ehrlich gesagt halte ich nicht viel von solchen Auflistungen. Man wird immer irgendeinen Menschen oder irgendeine Publikation finden, die ein Buch positiv bewertet. Wenn nun auf dem Rücken eines jeden Buchumschlages immer wieder nur Empfehlungen zu finden sind, dann stumpft man irgendwann dagegen ab. Entweder die Geschichte spricht einen an oder eben nicht. Klar, unbewusst lässt man sich vielleicht doch hin und wieder auch von einem wohlwollendem Zitat eines Kritikers lenken lassen.
Noch kritischer bin ich, wenn die Zitatsammlung von Politikern stammt. Denn ob man es will oder nicht, gibt es immer Politiker, die einem sympathischer erscheinen, als andere. Auch die eigene politische Denkweise kann hier schnell mal Zweifel an einem Werk aufkommen lassen, obwohl die Zweifel eigentlich der betreffenden Person gelten, die als Kritiker zitiert wird.
Was ich sagen will ist, dass egal, wie ihr Joschka Fischer als Politiker gegenüber eingestellt seid, vertraut seinen Worten, die er über „Der Schatten des Windes“ gesagt hat: Dieses Buch wird euch nicht mehr loslassen. Wenn ihr nicht aufpasst, lest ihr es an einem Stück durch!
Die Geschichte eines Buches
Das Buch erzählt die Geschichte von Daniel Sempere, dem Sohn eines Buchhändlers in Barcelona. Der Inhalt des Romanes spielt sich ab in der Zeit zwischen 1933 und 1966, in einem Spanien, das von Krieg und Tristesse gezeichnet ist.
Daniel darf sich auf dem Friedhof der Vergessenen Bücher ein Buch aussuchen, für das er sein Leben lang verantwortlich sein soll. Wie das Schicksal es will, greifen seine Hände nach dem Roman Der Schatten des Windes von einem mysteriösen Autor namens Julián Carax.
Mysteriös ist der Autor des Romans, weil er wie ein Phantom scheint. Obwohl Daniel von dem Buch begeistert ist, findet er nur sehr spärliche Informationen über Carax. Doch dies weckt in ihm nur noch mehr Neugierde und das Verlangen das Rätsel um Julián Carax zu lüften. Daniel macht sich auf die Suche und entdeckt dabei nicht nur die von Liebe und Sehnsucht gezeichnete Lebensgeschichte des Autors.
Für Daniel entwickelt sich die Suche nach Carax zu einer Mission, in dessen Schatten er erwachsen wird, neue Freundschaften knüpft und nach und nach merkt, wie sein komplettes Leben von der Faszination um das Leben des Julián Carax beeinflusst wird! Dabei deckt Daniel wie bei einem Puzzle Stück für Stück des Geheimnisses auf, das sich erst am Ende zu einem Gesamtbild zusammenfügen lässt.
Ein Spanien in traurigen Zeiten
Das Buch Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón entführt den Leser in ein Barcelona, das die wenigsten von uns kennen dürften. Die Geschichte spielt in der Mitte des 20. Jahrhunderts, die von Krieg und damit auch von Tränen und Sehnsüchten geprägt ist. Und diese Atmosphäre überträgt sich auch voll und ganz auf den Roman und seine Geschichte. Handlung und Buch sind durchgehend von den Themen Einsamkeit und Verlust geprägt.
Wie bereits gesagt muss man beim Lesen des Buches enorm aufpassen, dass es einen nicht vollends mitreißt und man es an einem Stück durchliest! Mehrmals musste ich mich Zwingen das Buch aus meinen Händen zu legen, mich los zu reißen. Wie ausgehungert von Buchstaben verschlingt man Seite um Seite und lässt sich verzaubern von der Geschichte des Daniel Sempere.
Ein Buch – Zwei Geschichten! Oder?
Doch das alles ist nur die halbe Wahrheit. Es geht nicht nur um die Geschichte von Daniel, der das Rätsel des Autors von Der Schatten des Windes lösen möchte. Nein, dieses Buch ist auch gleichzeitig die Geschichte von Julián Carax, dem Geheimnisvollen!
Denn Carlos Ruiz Zafón hat das Kunstwerk fertig gebracht im Grunde genommen 2 Romane in einen zu packen und so miteinander zu verbinden, dass man sich manchmal fragt, welcher der beiden Lebensgeschichten eigentlich der Hauptteil des Buches darstellt. Dabei fallen einem immer wieder auffällige Parallelen zwischen Daniel und Julián auf, die im Kopf des Lesers viele Erklärungen hervorrufen, was denn nun wirklich hinter der ganzen Geschichte stecken könnte!
Umso schöner ist es, wenn man im Verlauf des Buches oder gegen Ende feststellt, dass man mit einigen Vermutungen richtig gelegen und sich in anderen ganz schön getäuscht hat.
Mitreißend und viel zu kurz!
Vielleicht kann man als Kritikpunkt anmerken, dass das ganze Rätsel um Julián Carax am Ende in einem Zuge aufgelöst wird. Aber auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ich mir nicht vorstellen könnte, dass man dieses Buch hätte besser schreiben können. Die Geschichte und die Ausdrucksweise von Carlos Ruiz Zafón lässt einen alles vergessen und zieht den Leser einfach mit hinein in diese abenteuerliche Geschichte von zwei Männern, die nicht nur die Faszination für Bücher gemeinsam haben!
Wenn ich nun überlege und sagen sollte, welches Buch mich als Letztes derart fasziniert und beeindruckt hat, muss ich gar nicht lange nachdenken. Das letzte Mal, dass es ein Buch geschafft hatte, mich derart zu überzeugen, war im April 2005. Das Buch damals hieß Die Säulen der Erde von Ken Follett und ist für mich nach wie vor das in meinen Augen beste Buch aller Zeiten! (Siehe: „Die Säulen der Erde“ – ein Meisterwerk).
Die Kritik: Hervorragend!
Und allein dieser Vergleich dürfte wahrlich ein Ritterschlag für das Buch „Der Schatten des Windes“ darstellen. Und wenn man überlegt, dass der Roman erste das fünfte Werk von Carlos Ruiz Zafón ist, dann dürfen wir sehr gespannt auf die Zukunft warten. Die Erwatungen sind jedenfalls enorm!
Carlos Ruiz Zafón
„Der Schatten des Windes“
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
Frankfurt am Main, 2005
(„La sombra del viento“, 2001)
ISBN: 3-518-45800-0
563 Seiten
9,90 €
Carlos Ruiz Zafón – Ein Sch...imnisvoll wie seine Romanfigur
bluejax
Rottenburg, den 16. August 2006
Quellen und Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schatten_des_Windes
http://de.wikipedia.org/wiki/Carlos_Ruiz_Zaf%C3%B3n
http://de.wikipedia.org/wiki/Joschka_Fischer
http://de.wikipedia.org/wiki/Elke_Heidenreich
http://www.bluejax.net/2006/03/12/%e2%80%9edie-saulen
-der-erde%e2%80%9c-%e2%80%93-ein-meisterwerk/
http://www.bluejax.net/2006/08/18/carlos-ruiz-zafon-%e2%
80%93-ein-schriftsteller-so-geheimnisvoll-wie-seine-romanfigur/
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Meine Erwatungen auch
[…] Ähnlich wie Daniel Sempere von dem Buch Der Schatten des Windes von Julián Carax begeistert ist, bin ich es von Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón. Und so wie Daniel im Roman, habe auch ich mich etwas auf Recherche begeben, um mehr über den Autor des Buches herauszubekommen. Dabei bin ich erstaunlicherweise auch auf ähnliche Probleme und Geheimnisse gestoßen, wie die Romanfigur Daniel. […]
[…] auch heute noch für mich das mit Abstand beste Buch, das ich jemals gelesen habe. Gefolgt von „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz […]