Bluejax.net

.innovativ .informativ .alternativ

Freundschaft eines Sommers: „Hier habe ich oft an Dich gedacht!“ – Ein mysteriöser Fels und seine Botschaft

By bluejax • Aug 5th, 2006 • Category: Nachgedacht, Privat

Im August 2002 war es, als ich zum letzten Mal wirklich in Urlaub war. Damals reiste ich mit meiner Freundin für 2 Wochen nach Ibiza. Unabhängig davon, dass wir auf Ibiza 2 wunderschöne Wochen verbrachten und uns heute sagen, dass wir damals (fast) alles erlebt haben, was man auf Ibiza gesehen haben muss, möchte ich euch hier aber von der Nachbarinsel erzählen. Und dort von einem ganz bestimmten, mysteriösen Ort.

Das Meer – Der Fels – Die Botschaft

Ich möchte euch die Geschichte von einem Felsen erzählen. Einem mysteriösen Felsen. Die Geschichte von dem Rauschen des Meeres. Und von dem Geheimnis, das diese beiden seit nunmehr 30 Jahren bewahren. Das Geheimnis des einsamen traurigen Mannes. Die Freundschaft eines Sommers!

Eine Parabel über die Freundschaft. Von Einem Freund!

Formentera – die Fruchtbare & Schöne

Etwa 20 Kilometer südlich von Ibiza (Eivissa) liegt die kleine Insel Formentera. Zusammen mit weiteren kleinen Inseln bilden diese die Inselgruppe der Pituysen.
Formentera ist wie eine kleine Perle des Mittelmeeres. Mit etwa 82 km² und ungefähr 7.500 Einwohnern ist sie deutlich kleiner als die anderen Inseln der Balearen. Aber dafür findet man auf Formentera Strände, die an karibische Fotoserien erinnern.

Weil Formentera so klein ist, besitzt es keinen eigenen Flughafen. Die Insel ist nur über den Wasserweg erreichbar. Regelmäßig verbinden kleine Fähren die Insel mit der großen Nachbarinsel Ibiza. Aufgrund dieser Abgeschiedenheit findet man auf Formentera auch etwas mehr Abstand, wobei die Touristen die Schönheit dieser Insel immer mehr entdecken.

Ein Ausflug auf die Perle der Mittelsee

Bevor wir damals nach Ibiza flogen, informierten wir uns wie immer ausgiebig in verschiedenen Reiseführern. Schnell war klar, dass wir auch die Gelegenheit nutzen wollten und einen Tagesausflug nach Formentera unternehmen wollten. Gesagt, getan.

Wir benötigten mehrere Anläufe, bis es uns wirklich einmal gelang, die Strapazen der langen Nächte zu überwinden und am darauf folgenden Morgen einmal pünktlich zum Boots-Steg zu erscheinen. Aber einmal hatten wir es dann doch wirklich geschafft.

Der Weg zum Geheimnis

Und wir sollten es nicht bereuen! Denn Formentera ist wie bereits erwähnt eine wahre Perle. Aber ich möchte jetzt gar nicht groß auf die Insel mit all ihren wunderschönen karibik-ähnlichen Stränden eingehen. Dafür müsste ich einen extra Artikel schreiben. Mir geht es um eine kleine ganz bestimmte Stelle auf Formentera!

Leider hatte ich an jenem Tage unseren Reiseführer mit der Landkarte von Formentera im Hotel vergessen. Deswegen kann ich über die Namen der folgenden Stätten auch nur mutmaßen.

Der Leuchtturm

Wir sind damals mit der kleinen Fähre am nord-westlichen Teil der Insel angekommen. Ich weiß noch, wie wir dann etwas landeinwärts gelaufen und an einem kleinen weißen Leuchtturm vorbeikamen.

Der Salzsee

Danach kamen wir an einen ausgetrockneten Salzsee. Im Grunde genommen waren es mehrere, die durch einen kleinen Weg voneinander getrennt waren. Es war heiß. Die Sonne ließ das weiße Gold erstrahlen.

Als wir diese Salzsehen, ich denke mal, dass es sich um die „Ses Salines“ handelte, durchquert hatten, an einigen schönen Pinien und Sträuchern vorbei, kamen wir an einen großen hellen und verlassenen Sandstrand.

Der Strand – Das Meer

Dort angekommen, machten wir erst einmal eine kurze Pause. Wir legten uns in den warmen Sand und beobachteten die großen Wellen im türkis-klaren Wasser. Das Rauschen des Meeres. Der Wind, der uns winzige Tropfen des Wassers auf den Körper blies. Und der Blick in die unendliche Ferne. Sie ließen uns zu Ruhe kommen und entspannen.

Dann schweifte mein Blick den Strand entlang gen Süden, wo ich auf einmal einen kleinen aufgehäuften Felshaufen entdeckte, der einsam und verlassen der Brandung des Meeres trotzte.

Ein geheimnisvolles Koloss in der Ferne

Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie zog die kleine Felssammlung meine volle Aufmerksamkeit auf sich. Doch nicht nur meine Aufmerksamkeit, es zog mich ganz und gar an. Also machte ich mich auf, die Steinansammlung etwas näher zu inspizieren. Alleine ging ich zu diesem geheimnisvoll wirkenden grauen Etwas in der Ferne.

Dort angekommen kletterte ich hinauf auf die Spitze. Es war nicht hoch. Es war auch nicht gefährlich. Aber es war schön. Es war ruhig und doch laut. Keine Menschen, aber das tiefe Rauschen des Meeres direkt vor meinen Augen.

Der Fels

Ich setzte mich auf einen kleinen Felsen, der doch zu den größeren der Steinformation gehörte. Ein Fels, der sich durch seine Form und Lage irgendwie von den anderen Steinen abzuheben schien. Dort saß ich dann eine Zeit lang. Mein Blick von der Ferne gefesselt. Meine Gedanken am Horizont schweifend.

Dann streichelten meine Hände sanft über den rauen und zugleich doch feinen grauen Felsen, auf dem ich saß. Irgendetwas schien die Aufmerksamkeit meiner Fingerspitzen geweckt zu haben. Wie viele kleine Furchen, ein Muster im Fels.

Meine Augen lösten sich von der Ferne des Horizonts und kamen wieder zurück zu mir und der Felsformation. Meine Finger tasteten immer noch über den kleinen Koloss unter meinem Körper. Dann senke sich mein Blick und glitt meinen Armen entlang zu den Mustern im Fels, die seit längerem die Aufmerksamkeit meiner Finger geweckt hatten.

Die mysteriöse Nachricht im Fels

Doch ich erblickte mehr als ein zufälliges Muster. Nein, diese Formen waren nicht von Mutter Natur gemacht. Es war eine Verzierung, von Menschenhand gemeißelt. In den Fels. In den grauen Stein der Mama.

Ich erhob mich, um das gesamte Kunstwerk zu überblicken. Es war nicht nur ein Muster oder eine Verzierung. Nein, es war ein ganzer Schriftzug, der hier in Stein geschrieben wart. Es war eine Botschaft, die zu meiner Überraschung in einer Sprache verfasst wurde, die mir sehr vertraut und bekannt vorkam.

Wenn man sich vorstellt, dass man sich auf einer kleinen Insel im Mittelmeer befindet, die zum spanischen Festland gehört, dann würde man hier wohl mit einer auf Spanisch verfassten Nachricht rechnen. Aber nein, es war ein 2-zeiliger Text, der in deutscher Sprache geschrieben war.

Hier habe ich oft an
Dich gedacht! FE 9/75

Ihr könnt euch sicherlich meine Verwunderung vorstellen. Da reist man auf eine kleine, etwa 1500 Kilometer von Deutschland entfernte Insel. Geht dort an irgendeinen x-belibigen Strand. Entdeckt eine kleine Felsformation, erkundet diese, setzt sich auf einen x-beliebigen kleinen Felsen und findet dann eine kleine in deutscher Sprache verfasste Botschaft!

Nachdem ich die Schrift im Stein entdeckt und gelesen hatte, lies ich meinen Körper wieder sanft auf dem grauen Koloss nieder. Mein Blick gleitete wieder in die tiefe Ferne des Meeres. Meine Gedanken aber gingen nicht an den Horizont, sondern sie drangen ein, in die Seele dieses Felsens, der so tapfer im Wasser ragte.

Momente der Fragen

„Was hat es mit dieser geheimnisvollen Botschaft auf sich?“ ging es durch meinen Kopf. In meinen Gedanken versuchte ich die Ursprünge dieser Nachricht zu ergründen. „Wer hat diesen Text geschrieben? An wen hatte dieser Jemand gedacht? Und warum war die Bedachte nicht bei ihm? Was war geshehen?“

Das Geheimnis dieses Textes, es steckt im Felsen. Und im Meer. So sehr ich mich bemühte, keiner von beiden, wollte es mir preisgeben. Weder der Felsen. Noch das Meer.

Es war ein einzigartiger und sehr bewegender Moment, als ich damals so auf diesem großen rauen Stein saß und über diesen Text nachdachte. Ich war wie verzaubert von der Botschaft und versuchte deren Ursprung zu erahnen.

FE 9/75, der letzte Teil deutete auf das Datum der Verfassung hin. September 1975? Fast 30 Jahre schien es her, dass ein Mensch diese Nachricht in den Felsen ritzte.

Ich wusste aus meinen noch zu Hause getätigten Recherchen, dass Formentera in den 1960er und 1970er Jahren ein beliebtes Ziel für Aussteiger war. Viele Anhänger der Hippie-Ära wollten der Masse entfliehen und ließen sich unter anderem auch auf Formentera nieder.

Momente der Erinnerung

Ich stellte mir einen etwa 30-40 jährigen bärtigen Mann vor, der nach dem Tod seiner geliebten Frau die Fesseln der Zivilisation hinter sich ließ und die Abgeschiedenheit der „Insel“ suchte. Ich stellte mir vor, wie er sich in die Einsamkeit von Formentera zurückzog und dort alleine in Trauer lebte. Ich stellte mir vor, wie er allabendlich auf diesem kleinen Felsen saß, wie seine Augen in die Ferne flohen, so wie meine in diesem Augenblick.

Ich stellte mir vor, wie dieser arme Schiffsbrüchige des Lebens jeden Tag aufs Neue auf diesem mysteriösen Felsen saß und dort in der Dämmerung an seine geliebte und von ihm verschiedene Frau dachte. An die gemeinsame Zeiten, an die gemeinsamen Bilder. An die gemeinsamen Pläne und Wünsche.

Ich stellte mir vor, wie der junge Mann dann irgendwann zu der Einsicht gelangte, dass sein Leben weitergehen müsse. Ein Neuanfang. Seine Frau hätte es sich sicherlich so gewünscht. Ein Ende der Trauer, auch wenn sie für immer in seinem Herzen und in seinen Gedanken bei ihm bleiben sollte. Die Trauen. Und seine Frau.

Momente des Abschieds

Doch bevor er die Einsamkeit von Formentera wieder verlassen konnte, musste er sich verabschieden. Verabschieden vom Meer, das ihm in dieser traurigen Zeit ein vertrauter Freund und offener Zuhörer gewesen war. Verabschieden von dem kleinen grauen Felsen, der seit vielen vielen Jahrzehnten schon in der Brandung stand und die Tränen und Gedanken des Mannes für immer in sich einschließen sollte. Und verabschieden von seiner Frau, die von diesem Ort aus in der Ferne mit dem Einsamen kommunizierte. In Form des Meeres. In Form des Felsens.

Ich stellte mir vor, wie der Mann sich verabschiedete von seinen lieb gewonnen Freunden. Wie er ihnen eine letzte Botschaft mit in die Ewigkeit gab:

Hier habe ich oft an
Dich gedacht! FE 9/75

Als ich dieses Leben des einsamen traurigen Mannes in meinen Gedanken und in Gesellschaft des Meeres und des Felsens durchgegangen war, vernahm ich ein Rufen aus der Ferne. Es war meine Freundin, die am Strand auf mich wartete. Es war Zeit für mich nun ebenso Abschied zu nehmen, wie es der einsame Mann 27 Jahre vor mir auch getan hatte. Ich verabschiedete mich von meinen neuen Freunden. Von dem Meer. Und von dem Felsen. Ich wusste sie würden mich nicht vergessen, die beiden. So wie sie auch den einsamen traurigen Mann nicht vergessen würden. Ihr Gedächtnis bewahrt uns für die Ewigkeit. Die Begegnungen. Die Geheimnisse. Die Tränen.

In meinen Gedanken hinterließ auch ich eine Botschaft in dem Felsen:

Hier habe ich an euch gedacht! JR 8/02

Jahre sind nur ein kleiner Teil der Ewigkeit

Mittlerweile sind fast 4 Jahre vergangen seit diesen mysteriösen Momenten auf diesem geheimnisvollen Felsen auf Formentera. Seither habe ich oft daran gedacht. An den Felsen. An das Meer. An den einsamen traurigen Mann und seine Frau. Was ist wohl aus ihm geworden? Wer war er? Was war wirklich geschehen? Ich weiß es nicht.

Die Erinnerung allerdings, die ich an die bezaubernden Momente jener Minuten habe, die habe ich nicht vergessen. Ebenso wenig wie der Fels und das Meer den einsamen traurigen Mann vergessen haben. Oder wie sie mich vergessen haben.

Es gibt Begegnungen, die vergisst man nicht. Die brennen sich ein in die Erinnerung. Diese Momente der Einsamkeit waren eine solche Begegnung. Ich habe sie nicht vergessen. Ich denke noch heute darüber nach. Und dann werde ich immer wieder von Neuem verzaubert. Verzaubert von dem Rauschen des Meeres. Verzaubert von der Ewigkeit des Felsens. Verzaubert von der Geheimnisvollen Botschaft.

Momente der Freundschaft

Freunde vergisst man nicht. Und Freunde vergessen uns nicht. Das ist das Besondere an Freundschaften, sie halten oft ein Leben lang. Sie braucht auch nicht viel, die Freundschaft. Sie lebt von den Erinnerungen und von den Gedanken. Wahre Freundschaft hält ewig, nicht nur einen Sommer. Wenn man ihr nur die eigenen Gedanken schenkt.

Ich habe oft an euch gedacht!

bluejax
, den 05. August 2006

Sozial Teilen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Bloglines
  • blogmarks
  • De.lirio.us
  • Google Bookmarks
  • Gwar
  • kick.ie
  • Live-MSN
  • Technorati
  • YahooMyWeb
  • Ask
  • Reddit
  • Socializer
  • VoteForIt


1 Sternschnuppe2 Sternschnuppe3 Sternschnuppe4 Sternschnuppe5 Sternschnuppe (Noch keine Sternschnuppe)
Loading ... Loading ...

bluejax is
Email this author | All posts by bluejax

One Response »

  1. […] […]

Leave a Reply