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Mexiko: EZLN erklärt den Roten Alarm – Verletzte, Tote, Vergewaltigungen und falsche TV-Bilder

By bluejax • Mai 9th, 2006 • Category: Gesellschaft, Lateinamerika, Medien, Politik, Ya Basta en Mexico!

Wie gestern bereits berichtet finden in Mexiko im Moment heftige Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern der kleinen Stadt San Salvador Atenco und der Polizei statt. Ausgelöst wurde der Aufstand dadurch, dass dem Präsidenten der Nachbarstadt Texcoco die Blumenverkäufer auf der Straße nicht ins Stadtbild passten und er diese verjagen ließ. (vgl. de.indymedia.org)

Gestern Abend gab es dann neue Informationen dazu im Chiapas98-Newsletter. Dana A. übersetze einige Texte aus Mexiko und schickte die deutsche Fassung an alle Abonnementen.

Dokumentationen und Berichte von Verbrechen

So soll das Menschenrechtszentrum Miguel Agustín Pro Juárez einige Vorfälle von Menschenrechtsverletzungen gegen die Einwohner von Atenco, sowie einen Fall von sexuellen Missbrauchs eines Polizisten gegen eine Frau dokumentieren.

Sogar eine Gruppenvergewaltigung an in San Salvador Atenco verhafteten Frauen wurde gemeldet. Wie das Menschenrechtszentrum bekannt gab, konnte ein Fall genau Dokumentiert werden und soll nun auch veröffentlicht werden.

Gefangene abgeschottet

Auch das Nationale Zentrum für Soziale Kommunikation (CENECOS) hat Kritik vorzutragen. So bekamen die Anwälte, die von den Angehörigen der Gefangenen mit der Verteidigung beauftragt wurden lange Zeit keinen Zugang zu ihren Mandaten. Auch das Übergeben von frischer Kleidung gegen die Kälte oder von Hygieneartikeln wurde untersagt.

Doch nicht nur den Anwälten der Festgenommenen wurde der Zutritt zum Gefängnis verwehrt. Auch Mitglieder der Menschenrechtsorganisationen wurden abgewiesen und konnten somit keine Aussagen über den Zustand und die Versorgung der Gefangenen machen. (Quelle: Chiapas98)

Wie Narco-News berichtet wurden die Bilder der Auseinandersetzung in Mexiko landesweit im Fernsehen übertragen. Subcomandante Marcos hatte seine „Andere Kampagne“ unterbrochen, und „sich zum Tatort begeben, um dem mexikanischen Staat gegenüberzutreten.“

Kapitalisten als Auslöser

Sub Marcos kritisierte, dass der Konflikt in Texoco nicht ganz zufällig statt fand und der Bürgermeister ganz eigene Pläne verfolge:

„Sie attackieren die kleinen Geschäftsleute von Texcoco, weil Sie hässlich und schmutzig sind, und wenn wir an der Oberfläche kratzen, stellen wir fest, dass ein Bürgermeister hier einen Wal-Mart errichten möchte. Ihnen ist bewusst, dass die Ladenbesitzer bessere Waren verkaufen – bessere als die Scheißtomaten, die zwar schön aussehen, aber aus Plastik sind, genau wie die aus dem Supermarkt.“ (Quelle: Narco-News)

Trügerische Nachrichten-Bilder

Leider scheinen sich die mexikanischen Fernsehanstalten auf die Seite der Staatsgewalt geschlagen zu haben. Bilder der „Krawalle“ wurden landesweit ausgestrahlt. Wie Narco-News jedoch anmerkt: „tatsächlich aber handelte es sich um Polizeikrawalle“!

Die beiden nationalen Fernsehsender Televisa und TV Azteca zeigten „fürchterliche Szenen von Gewalt, Tränengas, Blut und Tod vom Markt und von der Landstraße in Texcoco“, berichtet Narco-News weiter. Die Bilder hingegen, die den Kampf der Polizisten gegen die Zivilisten zeigen, suchte man vergeblich. Auch gibt es Berichte, „dass die Polizei in Texcoco einen Jugendlichen umgebracht hatte“.

Der Sub spricht, der Polizeioffizier auch

Über die Berichterstattung der Medien meinte Marcos:

„Heute fragen die Medien nicht, auch nicht das Radio, was die Streitkräfte in San Salvador Atenco treiben.“ (Quelle: Narco-News)

“Natürlich ist es offensichtlich, dass jene, die für diese Lügenkampagne der Massenmedien zahlen, das Geld haben, und wir nicht. Die von Oben, die diese Kampagne finanzieren, stehen nicht auf der Strasse, sie arbeiten nicht in den Fabriken und auf den Feldern, sie leben nicht in den Bergen; wir sind es, jene von unten, die das alles tun. Die Massenmedien führen eine Verleumdungskampagne gegen gute und edle Menschen aus.“ (Quelle: Gruppe B.A.S.T.A)

Die Kritik, dass die Polizei-Aktion in San Salvador Atenco ein Racheakt des Staates gegen den erfolgreichen Protest der Bewohner Atencos gegen einen internationalen Großflughafen vor einigen Jahren wären, versuchte der Polizeioffizier Wilfredo Robles auf einer Pressekonferenz zu entkräften:

Er betonte, es sei den Behörden ausschließlich darum gegangen, “Recht und Ordnung wiederherzustellen” und bestritt, dass an den Bewohnern der Kleinstadt Rache genommen werden sollte. (Quelle: Der Standard)

Demgegenüber stehen die Worte von Subcomandante Marcos, der sich wie folgt über die Krawalle äußert:

„3000 Polizeikräfte gegen 50 Personen, die sich auf diesem Platz befinden. Was für Helden, was für ein Rechtsstaat, was für ein Dreck! Was für ein Privileg, was für eine Ehre für die Regierung, einen Jungen zu töten. Welche Ehre, Frauen zu schlagen und zu vergewaltigen, was für eine Ehre alte Menschen zu verhaften und zu verprügeln! Was für eine Ehre hat dieser Rechtsstaat?“ (Quelle: Gruppe B.A.S.T.A)

Solidarität zeigen!

Subcomandante Insurgente Marcos und die EZLN haben mittlerweile die Andere Kampagne verschoben und den Roten Alarm ausgelöst. Was das bedeutet? Wir werden sehen!

bluejax
, den 09. Mai 2006

Quellen und Links:
http://www.bluejax.net/2006/05/08/ya-basta-solidaritat
-mit-der-bevolkerung-mexikos-%e2%80%93-gegen-
willkur-und-menschenrechtsverletzungen/
http://de.indymedia.org/2006/05/145860.shtml
http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/chiapas98
http://www.narconews.com
http://www.narconews.com/Issue41/artikel1759.html
http://www.gruppe-basta.de/
http://derstandard.at/?url=/?id=2440152

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3 Responses »

  1. […] Wie ich gerade eben erfahren habe, hat der Chiapas98-Newsletter, aus dem ich einige der zuletzt hier veröffentlichten Informationen über Mexiko, die Andere Kampagne sowie die Vorfälle in San Salvador Atenco erhalten habe, nun eine eigene Webpräsenz. […]

  2. […] Die Ska-Band machte nie ein Geheimnis aus ihrer Sympathie für die Zapatistas. So traten Panteón Rococó auch am 02. Juli 2006 bei einer Kundgebung vor der Mexikanischen Botschaft in Berlin auf. Damals wurde gegen die gewalttätige staatliche Repression demonstriert, die sich Vorfeld der mexikanischen Präsidentschaftswahlen gegen oppositionelle soziale Bewegungen in Oaxaca und San Salvador Atenco abspielte. […]

  3. […] Wie bereits berichtet, fanden in den vergangenen Tagen in der Stadt San Salvador Atenco, im Bundesstaat Mexico gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der Staatsgewalt und den Bürgern Mexikos statt. […]

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