Ya Basta!: Solidarität mit der Bevölkerung Mexikos – Gegen Willkür und Menschenrechtsverletzungen
By bluejax • Mai 8th, 2006 • Category: Gesellschaft, Lateinamerika, Politik, Ya Basta en Mexico!Mein E-Mail-Postfach wurde in den vergangenen Tagen von unzähligen Mails des Chiapas98-Newsletter der Gruppe B.A.S.T.A. gefüllt. Mehrmals täglich wurde von den aktuellen Geschehnissen in Mexiko berichtet.
Grund sind die schweren Krawalle rund um die Stadt San Salvador Atenco im Bundesstaat Mexiko. Dort ging die Polizei mit äußerster Härte gegen die ansässigen Anwohner vor. Wie Chiapas98 berichtet, wurden knapp 300 Personen festgenommen und dabei schwer misshandelt, darunter alte Menschen, Frauen und Kinder! Bisher gab es einen Toten.
Am morgigen Dienstag, den 8. Mai 26 findet um 12.00 Uhr eine Kundgebung für Gerechtigkeit vor der Mexikanischen Botschaft in Berlin statt.
Power gegen Flower
Wie Chiapas98 weiter berichtet war der Ausgangspunkt des Konfliktes ein Versuch der lokalen Polizei, eine Gruppe von BlumenverkäuferInnen zu verjagen, die ihre Ware mangels Alternative auf der Straße verkaufen.
Die Verjagten wandten sich daraufhin an die Bewohner der benachbarten Stadt Atenco und baten diese um Hilfe. Atenco selber fiel vor rund 2 Jahren auf, als sich die dort lebenden Menschen militant gegen den Bau eines neuen internationalen Flughafens auf ihren eigenen Ländereien wehrten und damit Erfolg hatten.
Amnesty International 2003
Amnesty International (AI) berichtete in ihrem Jahresbericht 2003 im Zusammenhang damit von Festnahmen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten und spricht von Klagen über Misshandlungen und exzessive Gewaltanwendung
In diesem Bericht von AI wird des weiteren von extralegalen Hinrichtungen und dem „Verschwindenlassen“ von Opfern, vornehmlich straftatverdächtige Personen in Mexiko berichtet. Auch von Meldungen über willkürliche Inhaftierungen, Folterungen und Misshandlungen aus allen Teilen Mexikos ist die Rede.
Atenco greift ein
Die Worte der BlumenverkäuferInnen fanden in Atenco Gehör und so kamen ihnen am 04. Mai 2006 die Mitglieder des Frente de los Pueblos para la Defensa de la Tierre (FPDT) zu Hilfe. Zusammen konnte man die Ordnungskräfte, die nun auch Atenco angriffen einen ganzen Tag lang mit Steinen, Stöcken und Molotovcocktails in Schach. Dabei wurden 15 Polizisten als Geiseln genommern.
Wie die Frankfurter Rundschau Online berichtet wurde eine wichtige Durchfahrtsstraße im Norden der mexikanischen Hauptstadt blockiert, was zu diesen Krawallen geführt haben soll. Mexiko hat eine Deutsche und vier weitere Ausländer des Landes verwiesen.
Vor wenigen Tagen erst besuchte der Zapatisten-Sprecher Subcommandante Insurgente Marcos die Stadt Atenco im Rahmen der Anderen Kampagne. Wie Chiapas98 weiter berichtet wird der Angriff der Polizei von BeobachterInnen als Rache der Regierung Vicente Fox wegen des Aufstandes gegen den großen Flughafen von vor 2 Jahren gewertet.
Überfall im Schlaf
Am 05. Mai 2006 stürmten dann 3000 Beamte Atenco, überfielen viele AnwohnerInnen im Schlaf und begannen mit beispielloser Brutalität alle zu verhaften, derer sie habhaft werden konnten.
Chiapas98 zufolge richtete sich die Polizeigewalt gegen alle Bäuerinnen und Bauern aus Atenco. Von Misshandlungen nach den Festnahmen sowie von Vergewaltigungen in Frauengefängnissen ist die Rede. Auch sollen viele Personen spurlos verschwunden sein.
Subcommandante Marcos kehrt um und spricht
Wie Znet berichtet kehrte Subcommandante Marcos daraufhin gleich am 05. Mai zurück nach San Salvador Atenco. In dem Artikel Marcos: “Wir bleiben in Atenco bis alle Gefangenen frei sind!” von Hermann Bellinghausen und Gustavo Castillo wird Sub Marcos folgendermaen zitiert:
Gestern und heute waren wir Zeugen einer wahren Lügen- und Lynchcampagne gegen die Frente de Pueblos en Defensa de la Tierra (Volksfront zur Verteidigung des Landes) und der Bevölkerung von San Salvador Atenco. Mit manipulierten Bilder, Fotos und Worte, stellen sich die Massenmedien im Dienst der Lüge.
Auch im restlichen Artikel von Znet wird Marcos immer wieder zitiert, wie er scharfe Kritik an den mexikanischen Massenmedien übt:
“Wieso meinen die Fernsehsender, die Radiostationen, die Zeitungen, dass wir ihnen glauben würden, wenn sie die Lüge nur oft genug wiederholen, wenn sie früher schon über alles gelogen haben, was unten vorgeht? Das einzige was sie erreichen, ist dass der Unmut wächst, und was gestern hier passiert ist, ist ein kleines Beispiel davon. Und es werden mehr folgen. Auf den ersten Bilder von den Festnahmen, konnte man eindeutig sehen, wie die Polizei Gefangene verprügelte, die bereits bewegungsunfähig waren; am Abend war bereits alles umeditiert; die prügelnden Polizisten waren nirgends mehr zu sehen. Wo sind diese Bilder abgeblieben? Wo sind die Verschwundenen abgeblieben? Wir vermissen zwei Compañeros. Einer ist der Sohn von Ignacio del Valle, sein Name ist César, und der andere ist Ulises Ríos. Sie sollen sie zeigen. Die Angehörige der Festgenommenen haben uns gewarnt, dass die Frauen vergewaltigt werden. Wo ist hier denn ihr Rechtsstaat. Was hat die Polizei hier in San Salvador Atenco zu suchen, wenn es ein lokales Problem in Texcoco gewesen ist? Sie tun das was wir schon letztes Mal gesagt haben, als wir hier ankamen, sie wollen dieses Land zurück, und sie wollen den Flughafen. Dafür haben sich die PRD, die PAN und die PRI eingebracht, und jetzt wollen sie ihre Debatten und Wahlkampagnen darum aufbauen, und um das Privileg wetteifern, wer vor dieser Ungerechtigkeit den Kopf in den Sand steckt, und wer ihr applaudiert und sich damit brüstet, ein hartes Eingreifen zu fordern.” (Quelle: Znet)
Sub Marcos und die EZLN haben daraufhin den Roten Alarm erklärt!
Menschen auf die Straßen
Um gegen diese Repressionen der mexikanischen Staatsgewalt gegen die Bürgerinnen und Bürger Mexikos zu demonstrieren gehen überall in Mexiko, aber auch in Kanada, USA, Italien, Spanien, Ecuador etc. auf die Straßen.
In Berlin ist für den morgigen Dienstag eine Kundgebung vor der Mexikanischen Botschaft in der Klingelhöferstr. 3 in 10785 Berlin angesetzt. Alle die sich mit den Einwohnern von Atenco solidarisieren möchten sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen!
Die Aktion der Polizeibeamten gegen die Bevölkerung Mexikos wird als erste Feuerprobe für die Andere Kampagne gewertet. Diese stellt eine basisdemokratische, plurale Initiative für ein anderes Mexiko dar.
Mehr über die EZLN, die Andere Kampagne, Chiapas, Mexiko, die Mexikanische Revolution und Subcommandante Marcos demnächst hier bei bluejax.net!!!
bluejax
, den 08. Mai 2006
Quellen und Links:
http://www.gruppe-basta.de/
http://www2.amnesty.de/
http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/0/cb15543a9 ca69605c1256d3200462728?OpenDocument
http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/nachrichten/
aktuell/?em_cnt=876999
http://www.zmag.de/index.php
http://www.zmag.de/artikel.php?id=1794
http://www.submarcos.org/
http://www.ezln.org.mx/
bluejax is
Email this author | All posts by bluejax

























[…] Wie gestern bereits berichtet finden in Mexiko im Moment heftige Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern der kleinen Stadt San Salvador Atenco und der Polizei statt. Ausgelöst wurde der Aufstand dadurch, dass dem Präsidenten der Nachbarstadt Texcoco die Blumenverkäufer auf der Straße nicht ins Stadtbild passten und er diese verjagen ließ. (vgl. de.indymedia.org) […]
[…] Subcomandante Marcos, der sich im Rahmen der „Anderen Kampagne“ mittlerweile auch Delgado Zero (Delegierter Null) bezeichnet, gab nach den Ereignissen in San Salvador Atenco sein erstes Presseinterview seit 5 Jahren. […]
[…] Wie ich gerade eben erfahren habe, hat der Chiapas98-Newsletter, aus dem ich einige der zuletzt hier veröffentlichten Informationen über Mexiko, die Andere Kampagne sowie die Vorfälle in San Salador Atenco erhalten habe, nun eine eigene Webpräsenz. […]
[…] Vor einigen Wochen habe ich von den Vorfällen und Verbrechen in San Salvador Atenco berichtet. Leider scheint sich mittlerweile ein ähnliches Verbrechen in einer anderen Stadt in Mexiko anzubahnen. In der Stadt Oaxaca de Juárez drohen neue Repressionen und staatliche Gewalt. […]
[…] Vor einigen Tagen gab es bereits den ersten Teil des Interviews, das der Journalist Hermann Bellinghausen nach dem Aufruhr in San Salvador Atenco mit Subcomandante Marcos führte. […]
Buy tramadol….
Buy tramadol. Tramadol buy. Buy cheap tramadol mg tablets only in us online. Tramadol great buy….