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Nachgefragt: Abgrenzung und Einordnung – Weblogs, Journalismus oder nicht?

By bluejax • Apr 25th, 2006 • Category: In eigener Sache, Medien, Nachgefragt

Ich möchte noch mal kurz auf die Frage kommen, ob Weblogs nun journalistische Publikationen seien oder nicht?! Ob jetzt Blogger Journalisten sind oder eben nicht?!

Angeregte Diskussionen

Wir haben im Seminar Medientheorie an der Uni schon des Öfteren über dieses Thema diskutiert und versucht eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Dabei gab es unterschiedliche Positionen. Die einen waren der Meinung, Blogger seien Journalisten, andere dagegen. Es wurde sehr aneregt und kontrovers darüber diskutiert. Und was, wenn ein Jurnalist sich als Blogger betätigt, ist er dann noch Journalist? Fragen über Fragen und keine eindeutige Meinung.

Eure Einschätzung: Sind Blogger Journalisten?

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Vorschlag: Differenzierung

Ich unterstelle zwar vielen Weblogs einen journalismus-ähnlichen Charakter. Was aber nicht heiß, dass die entsprechenden Blogger damit dann auch Journalisten oder Journalisten-ähnlich wären! Ich denke, dass man einige Grenzen ziehen muss und statt 2 Kategorien (Journalismus vs. kein Journalismus) mehrere Gruppen unterscheiden sollte.

Meine Einteilung

Ich würde nach meinen Erfahrungen in der Blog-Welt sagen, dass 60%* der Weblogs keinen Journalismus darstellen. 30%* würde ich zwar informativen Charakter und den Willen bildend und aufklärend tätig zu sein, zusprechen, aber ich würde sie ebenfalls nicht in eine Kategorie Journalismus einteilen.

Darauf folgen 7%* von Blogs, denen ich journalistischen Charakter attestieren würde. Diejenigen Blogger würde ich auch als „Quasi-Journalisten“ bezeichnen. Nur bei etwa 3% der Bloggern würde ich von echten Journalisten sprechen!

Blogger sind „anders“!

Aber das ist ja auch gar nicht so schlimm. Denn wollen Blogger denn überhaupt richtige Journalisten sein? Ich denke mal, dass sich Weblogs gerade dadurch auszeichnen, dass sie etwas subjektiver ausgerichtet sind und viele Themen anders angehen, als es Journalisten in Zeitschriften und Zeitungen tun.

Ich glaube auch, dass ein Weblog keine journalistische Ausbildung ersetzen kann. Man eignet sich zwar journalistische Fähigkeiten an, wie etwa Schreiben oder Recherchieren. Aber man macht das dann doch auf einem anderen Niveau und in einer anderen Art und Weise als professionell ausgebildete Journalisten.

Zwar mag ich keine Schubladen-Einteilungen, aber ich würde die Weblogs in 4 verschiedene Kategorien einteilen, um ihre Journalismus-Bezogenheit zu klären: 1. Die Nicht-Journalisten, 2. Die Informativen Charaktere, 3. Die Quasi-Journalisten und 4. Die Journalisten

1. Die Nicht-Journalisten

Wieso ich den Anteil der Blogs, die nichts mit Journalismus am Hut haben mit 60% so hoch ansetzen würde? Na ja, schaut euch doch nur mal in der Blogliste von myblog.de oder in der Topliste des Blogcounters um. Ein großer Teil der Blogger scheint mir im Alter zwischen 10 und 15 Jahren zu sein. Viele dieser Weblogs sind dann auch wirklich so ausgerichtet, wie Weblogs ursprünglich aufgetreten sind: als persönliche Online-Tagebücher! Auch Fanblogs zu diversen Bands und Interpreten sind häufig vertreten.

2. Die Informativen Charaktere

Die 30%* mit informativem Charakter zeichnen sich meiner Meinung nach dadurch aus, dass sie zwar informieren und politische und gesellschaftliche Themen aufgreifen. Allerdings verhindern hier die schlechte Recherchearbeit, die zu einseitige Berichterstattung, makelhafte Quellenbezeichnungen oder sonstige Mängel eine Einstufung zu den Quasi-Journalisten.

Diese Blogs würde ich eigentlich auch als die interessantesten hervorheben. Meiner Meinung nach ist diese Kategorie diejenige, welche die Weblogs auszeichnen. Charakteristisch ist, dass diese Blogs immer auch eine private und sehr subjektive Note haben. Sie wollen gar keine Journalisten sein, sondern einfach zu diversen Themen die eigene Meinung veröffentlichen.

3. Die Quasi-Journalisten

Die Quasi-Journalisten können demgegenüber eben diese oben genannten Mängel abstellen und bemühen sich um gut recherchierte, vielseitige, objektive und qualitative Artikel. Allerdings würde ich diese Blogger als Quasi-Journalisten und nicht als echte Journalisten bezeichnen, da ihnen die professionelle journalistische Ausbildung fehlt.

In diese Kategorie würde ich nur etwa 7%* der Blogger einordnen. Hier sind hauptsächlich Blogger vertreten, die schon langjährige Blog-Erfahrung mitbringen oder aber eine Medienausbildung genießen, die nicht auf den Journalismus bezogen ist.

4. Die Journalisten

Diese würde ich nur etwa 3%* der Bloggern unterstellen. Zusammen mit einem entsprechenden Auftreten mit qualitativen und informativen Blog-Inhalten, würde ich diesen dann den Rang eines richtigen Journalisten zusprechen.

Hier sehe ich zum einen „Online- und Offline-Journalisten“, die sich als Blogger betätigen oder aber auch solche, die sich noch in der journalistischen Ausbildung befinden.

Um in den Rang eines richtigen Journalisten eingeordnet zu werden, würde ich die journalistische Ausbildung mit den handwerklichen Fähig- und Fertigkeiten voraussetzen.

Dass ich nur wenigen den Status „Journalist“ zusprechen würde, ist in meinen Augen eigentlich nicht weiter schlimm und spricht auch nicht gegen die Qualität der Weblogs. Wie schon weiter oben geschrieben sollen Weblogs ja auch kein echter Journalismus sein, sondern eher eine neue Form der Information, die manchmal vielleicht journalismus-ähnlichen Charakter aufweisen kann, aber nicht muss.

Wo ich mich sehe

Mich selber sehe ich bei den 30%* der Weblogs der zweiten Kategorie mit informativem Charakter. Ich würde nämlich schon sagen, dass ich mit meinem Blog hier versuche politische und gesellschaftliche Themen aufzugreifen und darüber zu informieren. Allerdings würde ich die oben für diese Gruppe genannten Mängel auch mir unterstellen.

Außerdem möchte ich – bei allem Willen der Objektivität – doch auch in gewissem Maße meine subjektive Meinung äußern und zu verschiedenen Themen Stellung nehmen. Deswegen sehe ich mein Weblog bluejax.net eher als Blog mit informativen Charakter als als eines der quasi-jorunalistischen Gattung!

Und damit kann ich auch leben. Ich möchte kein richtiger Journalist sein, bzw. als solcher auftreten. Ohne die grundlegende Ausbildung wäre mir dies ohnehin nur sehr schwer umsetzbar. Außerdem glaube ich, dass sich Blogger und Weblogs genau dadurch auszeichnen, dass sie <, anders berichten und anders agieren können. Und, weil sie einfach em>anders sein dürfen

Eine wichtige Anmerkung zu den Prozentwerten:

*Alle verwendeten Prozentzahlen sind einfach eine grobe Einschätzung von mir. Ich habe keine repräsentativen Werte oder Studien vorliegen, sondern schätze diese Werte einfach nur anhand meiner persönlichen subjektiven Erfahrungen.

Ich weiß, das ist wissenschaftlich äußerst falsch, mehr als fragwürdig und grob unrelevant. Aber wie gesagt, ich gehöre ja auch nur zu den Bloggern mit informativem Charakter! ;-)

Demnach rechne ich auch mit einer baldigen Falsifizierung!

Ich wollte mit der Verwendung dieser Zahlen einfach meine Einschätzung der groben Verteilung veranschaulichen. Statt den Zahlen hätte ich auch immer sagen können: ich schätze, dass doppelt so viele… oder meiner Meinung nach sind etwa zehn mal so viele Blogs…. Ich dachte mir, dass die Verwendung dieser Zahlen diese Sätze in eine übersichtliche und anschauliche Form transformieren. Sorry!

bluejax
, den 25. April 2006

Quellen und Links:
http://www.bluejax.net/2006/04/22/das-podcast-experiment
-bluejax-goes-podcast-%e2%80%93-aus-lesern-werden-zuhorer/
http://www.bluejax.net/mein-amw-studium-an-der-tu-ilmenau/
http://www.myblog.de/ap/weblogs.php
http://schwanzvergleich.blogcounter.de/schwanzvergleich.html
http://www.bluejax.net/

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5 Responses »

  1. Einen wunderschönen….

    Mir fällt zu der Frage, ob Weblogs nun Journalismus ist oder nicht, nur ein Satz ein: “Einen Journalismus an sich gibt es nicht!!!”
    Deshalb ist es auch schwierig zu entscheiden, ob Weblogs als Journalismus betrachtet werden können. Die “jein” Variante finde ich deshalb auch am gelungensten, denn sie impliziert genau diese herangehensweise.
    Auf jeden Fall sehe ich journalistisches Potential in eineigen Weblogs und in einigen nicht! Doch würde die Frage lauten, ob das Weblog von BlueJax als Journalismmus betrachtet werden kann, dann lautet meine Antwort: JA!

  2. Moin Krebs!

    Na, auch so geschafft von Medienproduktion heute morgen um diese unverantwortliche Uhrzeit?

    Interessant, “Einen Journalismus an sich gibt es nicht!!!”. Wie würdest du denn Journalismus definieren, bzw. wenn es ihn an sich nicht geben sollte, wie würdest du bei der Abgrenzung vorgehen?

    Viele Grüße an meinen Berliner Jung!

  3. Oh, jetzt läuft der Krebs gleich zur Höchstform auf und zitiert aus unseren Hausarbeiten:

    Journalist ist zum einen jeder, der Ereignisse adaptiert und neu artikuliert. Man könnte zunächst zwischen studierten und nicht-studierten Journalisten unterscheiden. Jedoch ist die Frage erlaubt, was die beiden voneinander unterscheidet. Nicht einmal ein unterschiedlicher Bildungsgrad wäre hier wisschenschaftlich erwiesen. Die Frage für welches Unternehmen er arbeitet oder welches Medium er untestützt erübrigt sich ebenfalls. Denn auch das rechtfertigt keine Grundlage für Journalismus. Journalismus lässt sich also wisschenschaftlich nicht genau definieren. Theoretisch kann jeder, der die im ersten Satz erwähnten Grundsätze einhält (und das tut jeder der Geschehnisse wiedergibt oder seine Meinung kund tut), behaupten jouralistischen Tätigkeiten nachgekommen zu sein.
    Der hier eher entscheidende Faktor ist wohl das Motiv. Die Frage warum jemand etwas schreibt und welche Absicht er verfolgt. Hierbei hängt es dann ganz klar von dem Rollenselbstverständnis des “Journalisten” ab (also: Wie sehe ich mich selbst in meiner journalistischen Tätigkeit?). Viele Journalisten sehen sich zum Beispiel in einer Funktion als “Betrachter von Mißständen”.

    Im Volksmund wird die Bezeichnung “Journalist” oft als Gütesiegel für fundierte Recherchen betrachtet. (Wobei sich dies seit der immer weiteren Etablierung des Skandaljournalismus zum Teil auch nicht immer bewahrheitet).

    Für mich persönlich bedeutet Journalismus eine neutrale, gut recherchierte Berichterstattung, die nicht wertend, beide Seiten eines Ereignisses beleuchtet.

  4. Hey Menno,

    schön von dir zu hören/lesen!

    Deine Ausführung hier finde ich richtig interessant. Vor allem das mit dem Rollenselbstverständnis sollte man nicht außer Acht lassen und ist glaube ich auch ein sehr wichtiger Aspekt.

    Aber du sagst zurecht, Journalismus lässt sich also wissenschaftlich nicht genau definieren.

    Denn je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr Fragen drängen sich auf:

    - Es gibt ja auch viele Zeitungen, die von Grundauf gewisse Grundrichtungen in ihrer Berichterstattung aufweisen. Man muss sich nur einmal anschauen, welche Positionen Zeitungen wie Die Welt, FAZ, die Frankfurter Rundschau oder die TAZ immer wieder einnehmen. Da ist doch dann meistens die Neutralität nicht immer zu 100% gegeben. Bzw. wird man gewisse Grundtendenzen immer wieder durchgehend festellen können.
    Dennoch würde keiner in Frage stellen, dass essich um Journalismus, wahrscheinlich sogar Qualitäts-Journalismus, handelt.

    - AproposEtablierung des Skandaljournalismus: du meinst hier sicherlich auch die große deutsche Zeitung mit dem Bild?! Handelt es sich hierbei um Journalismus? Schaut man sich den großen Umfang des Bildblogs an, dann muss man sich ja auch des Öfteren die Frage stellen, ob die Bild immer gut recherchiert. Also: Lässt sich die Bild-Zeitung in irgendeine Journalismus-Definition unterbringen?

    Deine Definition gefällt mir:
    eine neutrale, gut recherchierte Berichterstattung, die nicht wertend, beide Seiten eines Ereignisses beleuchtet.

    Allerdings sind doch schon viele Artikel – ich würde sogar meinen, die meisten – wertend, zumindest zu einem gewissen Grad. Ich glaube, das lässt sich gar nicht immer ganz ausschließen, weil nun mal Menschen diese Artikel schreiben.

    Die gute Recherche mit Bezug auf mehrere Quellen finde ich mithin das wichtigste Kriterium! Ich glaube es ist wichtig, dass sich ein Journalist bei mehreren Quellen informiert und dann versucht, die gesammelten Informationen zusammenzutragen & miteinander zu verknüpfen. D.h. für mich auch, dass man sich auch auf Quellen (oder Personen) mit differenzierenden Meinungen einlassen sollte, um einen richtigen Überblick zu bekommen.

    Nochmal zu dem von dir angesprochenen Rollenselbstverständnis:
    Ich glaube, dass man das vergleichen kann mit dem Auftrag der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten. Deren zentrale Aufgabe ist es ja, Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung bereitzustellen. Ähnlich würde ich auch die Aufgabe des Journalisten definieren.

    Hui, man könnte sich bei der Frage, was Journalismus überhaupt ist, richtig auslassen. Typischen Hausarbeitsthema, was!?

    Jut, soweit, sogut.
    Nochmal vielen Dank für deinen Kommentar & deine Ausführung Menno!
    Wann kriegen wir dich denn mal wieder hier zu sehen? Ich freu mich auch schon drauf, wenn du uns deinen neuen Film präsentieren wirst. Bin schon richtig gespannt, was du da auf die Beine gestellt hast!
    Viele Grüße nach Dortmund & bis bald!

  5. Ciekawa strona, tak trzymac , pozdrawiam

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